„Treten, damit es richtig weh tut“

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Sophia (l., 18) lässt sich nicht ohne heftige Gegenwehr von Trainerin Fatma Keckstein mitschleifen Foto: cb

Kampfsport-Trainerin gibt Tipps zur Selbstverteidigung. Nachfrage steigt

Norderstedt Mit Schwung hämmert Sophia ihr Knie in das dick gepolsterte Schlagkissen, das ihre Freundin hält. Wieder und wieder. „Das sitzt“, sagt die 18-Jährige, „ein potentieller Angreifer könnte mich nicht weiter verfolgen.“ In einem dreistündigen Workshop lernen 14 Frauen zwischen 18 und 60 Jahren Selbstbehauptung und effektive Selbstverteidigung. Bereits seit vier Jahren organisiert die „Gleichstellungsstelle der Stadt Norderstedt“ diese Seminare. „Der Bedarf war immer da, doch die Gewaltexzesse in der Silvesternacht in Köln und Hamburg haben ihn wachsen lassen“, stellt Fatma Keckstein fest. Die Schwarzgurt-Trägerin des 4. Dan im Ju-Jutsu, Trainerin und Ausbilderin, leitet die Workshops. „Ich mache keine Kampfkatzen aus euch, aber ich möchte eure Wahrnehmung schärfen und zeigen, wohin ihr schlagen und treten müsst, damit es richtig weh tut“, erklärt die 51-Jährige. „Ungewohnte Situationen überfordern den Menschen und führen zu totaler Blockade – Angst lähmt“, weiß die Trainerin, „ich ‚provoziere’ die Frauen, damit sie eigene Kräfte, Tricks und Tipps ausprobieren und sie im Notfall abrufen können. Auch wenn Flucht immer die erst Wahl ist, sollte Frau vor allem eines haben: einen Plan zur Verteidigung.“ Von echter Provokation kann jedoch im zur Trainingsfläche umfunktionierten Sitzungszimmer des Rathauses kaum die Rede sein. Es wird zwar gerempelt und geschubst, getreten und geschlagen, aber vor allem gelacht. Viele Teilnehmerinnen kennen sich. Sophia hat sechs Freundinnen motiviert beim Seminar mitzumachen. „Wir gehen oft und gerne abends weg und möchten uns auch in der Dunkelheit sicher fühlen“, sagt die junge Frau. „Ihr müsst den Täter überraschen und entmutigen, um in dem Moment aus der Opferrolle auszusteigen“, rät Trainerin Fatma Keckstein. „Lernt kritische Situationen im Vorweg zu erkennen und seid vorbereitet.“ Auf dem abendlichen Heimweg wird eine Schlüsselspitze, zwischen zwei Finger der Faust gesteckt, zur effektiven Stichwaffe. Weitere Tipps: Ins Gesicht statt mit der Faust mit dem stabilen Handballen zuschlagen. Und mit der hohlen Hand auf die Ohren geschlagen, lässt das Trommelfell platzen. Bei drei Stunden theoretischem und praktischem Training sind alle Teilnehmerinnen ins Schwitzen gekommen, haben Sicherheit gewonnen. „Ich habe an Sicherheit gewonnen, weil ich weiß, wie’s geht“, fasst Sophia zusammen. „Selbstbewusste Frauen strahlen das aus und werden seltener Opfer“, ergänzt Fatma Keckstein. (cb)
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