Vorschläge für Straßennamen

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Wilhelm Lohner
 
Annie Kienast

Umbenennung soll kostenfrei für Bürger sein

Hamburg. Wenn die Stadt Straßen umbenennt, zum Beispiel weil die bisherigen Namensgeber wegen einer NS-Belastung unpassend erscheinen, dürfte dies für die Bürger kostenfrei bleiben. Diese Auskunft erhielt das Wochenblatt von der Kulturbehörde. In der Sondersitzung des Regionalausschusses am 29. Juni, in der es um die Umbenennung der Konjetzny- und der Max-Nonne-Straße ging, hatten Bürger die Befürchtung geäußert, die Kosten für das Ändern ihrer Personalpapiere selbst tragen zu müssen. Wie ein Sprecher der Kulturbehörde auf Nachfrage des Wochenblatts mitteilte, gibt es in Hamburg nach Umbenennung einer Straße eine sechsmonatige Frist, innerhalb derer die Bürger ihre Papiere kostenlos umschreiben lassen können.
Auf der Sondersitzung des Regionalausschusses am 29 Juni haben sowohl Bürger als auch die vom Ausschuss als Expertin berufene Dr. Rita Bake von der Schulbehörde insgesamt 18 Namen von Verstorbenen vorgestellt, die sie für würdig halten, die NS-belasteten Mediziner Konjetzny und Nonne auf ihren Straßenschildern zu „beerben“.
Gewisse Vorlieben hatte die Verwaltung allerdings geäußert: Möglichst ein Frauenname sein - diese sind auf Hamburgs Straßenschildern unterrepräsentiert -, möglichst ein Antifaschist.
Unter den 18 Vorschlägen waren auch zahlreiche frühere Langenhorner Bürger. Das Wochenblatt stellt die Vorschläge in loser Folge vor. (bcb)

Wilhelm Lohner:
Wilhelm Lohner (1927-2007) war noch Schüler, als er 1942 mit einem Freund in Andernach eine Widerstands- und Spionagegruppe gegen die Nazis bildete, erschreckt von der Jagd der braunen Machthaber auf alle Andersdenkenden. Sie mussten erleben, wie Geistliche und Lehrer in ihrem Umfeld plötzlich verschwanden, Nachrichten vom plötzlichen Tod des einen oder anderen kam. Ihre „Michaelstruppe“, benannt nach dem Erzengel, hatte zeitweise 50 Mitglieder. Im August 1943 verhaftete die Gestapo Lohner und weitere Mitglieder der Gruppe. Im Dezember desselben Jahres wurde er ins „Jugendschutzlager“ Moringen bei Göttingen gesperrt und musste Zwangsarbeit leisten. Lohner stellt mit anderen Gefangenen in einem Salzbergwerk Munition her. Nach dem Krieg machte Lohner Abitur, wurde Schauspieler. Sein Tourneetheater „Ensemble Wilhelm Lohner“ ist noch heute ein Begriff. Bis zu seinem Tod lebte Lohner in Langenhorn. (fjk)

Annie Kienast:
Annie Kienast (1897-1984) war eine Hamburger Politikerin, Gewerkschafterin und Frauenrechtlerin. Mit 15 lernte sie Verkäuferin, schloss sie sich 1918 der SPD an. Sie gehörte von 1922 bis 1933 dem Gesamtbetriebsrat der „Produktion“ (Pro) an. Zudem war sie eine der wenigen weiblichen Betriebsräte in Hamburg. Als Gewerkschafterin setzte sie sich vor allem für die Belange der Frauen ein. Nach der Machtübernahme der Nazis wurde sie 1934 von der Pro entlassen und arbeitete im Untergrund weiter. Nach dem Krieg war sie Mitbegründerin der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft DAG. Im Oktober 1946 zog sie für drei Jahre für die SPD in die Bürgerschaft ein. Sie machte sich stark für den Bau der Seniorenwohnanlage am Diekmoorweg 7 und 8. Hier lebte sie seither in einer Ein-Zimmer-Wohnung. 1982 lehnte sie das Bundesverdienstkreuz ab, erhielt statt dessen die Hamburger Medaille für besondere Dienste am Volke“. (wb)
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