Was wir von Chantal lernen müssen

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Gunnar Eisold.Foto: dmhuebsch

Gunnar Eisold zur Aufarbeitung des Todes von Chantal

Von Daniela Maria Hübsch
Langenhorn. Der Fall des Todes von Chantal ist ihm wichtig. Ohne Zögern war SPD-Bürgerschaftsabgeordneter und Chantal-Sonderausschuss-Vorsitzende Gunnar Eisold bereit, über die Ergebnisse der Ausschuss-Arbeit zu sprechen. Am 18. April 2012 nahm der Sonderausschuss Chantal seine Arbeit auf mit dem Auftrag, bis zum Herbst 2013 die Ursachen des Todes von Chantal aufzuarbeiten und Maßnahmen vorzuschlagen, die die Wiederholung solch eines Unglücksfalles verhindern.

Versagen seit 2005

In Hamburg gibt es circa 1.400 Pflegekinder. Die Unterbringung bei Pflegeeltern ist gerade für die jüngeren unter ihnen, die noch viel Familienanschluss brauchen, eine gute Möglichkeit, wenn die leiblichen Eltern sich nicht ausreichend kümmern können. Bereits nach dem Tod des Kindes Jessica 2005 und Lara-Mia, die 2009 starb, hatte die Sozialbehörde Maßnahmen zur Verbesserung der Jugendarbeit veranlasst. Umso schockierender war der Tod der elfjährigen Chantal, die am 16. Januar 2011 tot aufgefunden wurde, gestorben an einer Methadon-Vergiftung. Bis zu ihrem Tod lebte Chantal in einer Pflegefamilie. Die Pflegeeltern sind wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.
In der ersten umfangreichen Untersuchung stellte die Innenrevision der Finanzbehörde verheerende Versäumnisse seitens der Sozialbehörde fest und dokumentierte dies im Untersuchungsbericht vom 4. April 2012. Der Sonderausschuss verbrachte im Anschluss viel Zeit damit, Zeugen, Beteiligte und Experten zum Sachverhalt anzuhören. Parallel straffte die Sozialbehörde die internen Kommunikationswege, zentralisierte das Berichts- und Dokumentationswesen und überarbeitete die Kontrollrichtlinien. Alle Pflegefamilien wurden besucht und überprüft. Um die hohe Mitarbeiter-Fluktuation einzuschränken, wurde die Vergütung angehoben, die Jugendämter erhielten mehr Personal.

Wächter des Kindeswohls


Für Gunnar Eisold steht fest: „Jugendämter sind Wächter des Kindeswohls, daher gibt es keine Spielräume!“ Die 14-seitige Empfehlung des Sonder-Ausschusses sieht unter anderem einen strengen Kriterienkatalog für die Eignungsprüfung von Pflegeeltern vor. Drogentests und Gesundheitsprüfungen gehören genauso dazu wie ein polizeiliches Führungszeugnis, der Nachweis von genügend Wohnraum, die Bereitschaft zur Weiterqualifizierung. Auch wenn Hamburg dringend Pflegeeltern sucht, muss sichergestellt sein, dass keine Familie ein Kind zu sich nimmt, weil das Pflegegeld von bis zu 1.100 Euro pro Kind benötigt wird. Für die Umsetzung der Maßnahmen stellt die Stadt Hamburg zusätzlich 40 Millionen Euro zur Verfügung. Gunnar Eisold und die Ausschussmitglieder sind zuversichtlich, dass dies dazu beiträgt, den Schutz der Pflegekinder sicherzustellen.
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