Wiegandt: „Singen Sie hamburgisch?“

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Fans im voll besetzten St. Jürgen-Gemeindesaal Foto: Haas

Beliebter Künstler gibt eine Matinee im Ohnsorg Theater für Menschen mit Demenz und deren Angehörige

Langenhorn/St. Georg Mit so einem Ansturm auf den St. Jürgen-Gemeindesaal hatte Küster Michael Mehnert nicht gerechnet. Kürzlich gab Jochen Wiegandt am Eichenkamp ein Konzert der besonderen Art: „Singen Sie hamburgisch?“ Seit über fünf Jahren läuft die Aktion des Langenhorner Jung: Er präsentiert das Liedgut der Hansestadt, er will es zudem bewahren helfen und weckt dabei manch liebe Erinnerung. So die Erotik op platt etwa: „Dat Du mien Leevsten büst, dat du woll weeßt. Kumm bi de Nacht, segg mi wat Leevs.“ Die Gäste beherrschen alle den niederdeutschen Klassiker, singen oder summen mit. Dann nimmt der Musiker die Hände von der Gitarre und kommt ins Plaudern: Nach seinen Recherchen gibt es noch viel mehr Liedverse, wegen ihres deftigen Inhalts sind sie wohl nicht zufällig in Vergessenheit geraten. Aber auch Seemannsromatik kommt hier vor. „Eine Seefahrt, die ist lustig“ stimmt der Volkssänger an, um gleich wieder abzubrechen. Er erzählt, wie ein Mann vom Fach ihm das Lied austrieb: Es könne nicht von Seeleuten stammen, denn die wüssten um ihren beschwerlichen Beruf, der noch nie lustig gewesen sei. Die Gäste nicken wissend, sie teilen Wiegandts Aversion gegen eine „Heile-Welt-Volksmusik“ und erinnern sich gerne an das reichhaltige hamburgische Liedgut, wie etwa „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ und natürlich „An der Eck steiht ‘n Jung mit ‘n Tüdelband“. Aber gerade unbekannte Lieder haben es dem Langenhorner angetan. Als Musiker, Liedersammler und Autor präsentiert seine Sammlung nicht nur bei Konzerten. Auch auf CD, in Büchern, bei TV- oder Radiosendungen wird sie dokumentiert. Unvergessen ist sein berührender Beitrag zum Staatsakt für Altkanzler Helmut Schmidt im Michel: „Ik wull, wi weern noch kleen, Jehann“ von Klaus Groth.

„Teil gelebter Inklusion“


Für einen besonderen Auftritt kooperiert Jochen Wiegandt mit dem Langenhorner Pastor Tobias Götting, der auch Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Hamburg ist. Im Ohnesorg-Theater gibt der Musiker eine Matinee für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. „Dann ist Mitsingen, Zuhören und Lachen angesagt: mit Germerlieder und so manchem Tüünkroom“, erklärt Jochen Wiegandt. Angehörige von Demenzkranken würden sich oft nicht mehr gemeinsam in die Öffentlichkeit wagen. „Deshalb haben wir hier ein Format entwickelt, bei dem alle sich wohlfühlen können“, erklärt Tobias Götting. „Denn wir gehören zusammen – ob mit oder ohne Demenz.“ Die Matinee „Singen Sie hamburgisch?“ sei „ein Teil gelebter Inklusion“. (wh)

Sonntag, 24. April, 11 Uhr, Ohnsorg Theater, Heidi-Kabel-Platz 1. Eintritt: 10 Euro. Karten im Vorverkauf oder unter Telefon 35 08 03 21, weitere Infos: www.ohnsorg.de
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