100 Tage Trump

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Aydan Özoguz (v.l.n.r.), Michael Roth und Laura von Daniels Foto: rg
Hamburg: Neumann-Reichardt-Straße 20 |

Aydan Özoğuz (SPD) lud zu Diskussionsabend über den US-Präsidenten ein

Von Rainer Glitz
Wandsbek
Eine Mauer an der Grenze zu Mexico, massive Steuersenkungen, Abschaffung der Krankenversicherung: Mit diesen vollmundigen Versprechen sorgte Donald Trump im US-Wahlkampf für Furore. Umgesetzt hat er dies bislang nicht, dafür hat er aber mit seinen Äußerungen zur NATO international für Verwirrung gesorgt. „Trump ist der US-Präsident mit den niedrigsten Beliebtheitswerten nach 100 Tagen im Amt“, eröffnete die Wandsbeker SPD-Bundestagsabgeordnete Aydan Özoğuz den Diskussionsabend im neuen Waldhaus des Charlotte-Paulsen-Gymnasiums.

Gespaltenes Land

Zu Gast waren Michael Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt und die Amerika-Expertin Laura von Daniels von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Was hat sich für Europa und Deutschland durch Trumps Präsidentschaft geändert – das war das zentrale Thema des Abends vor zahlreichen Besuchern aus Wandsbek. „Trump ist zurzeit überall ein Thema. Dabei fragen sich alle: Wie kann das sein?“, sagte Michael Roth. Er selbst sei zehn Tage vor der Wahl in Chicago gewesen und habe niemanden getroffen, der so ein Ergebnis erwartet hätte. Die USA seien schon immer ein gespaltenes Land gewesen, Donald Trump habe mit seinen Provokationen und Lügen einen weiteren Beitrag dazu geleistet. „Seine erste Bilanz ist düster, trotzdem sind viele Menschen ihm weiter treu ergeben“, so der SPD-Politiker. Trumps widersprüchliche Politik sorge im Auswärtigen Amt in Berlin für viele Fragezeichen. „Wir werden jetzt mehr Verantwortung übernehmen müssen, um das entstandene Vakuum zu füllen“, erklärte Roth. Das gelte weniger militärisch, als vielmehr bei der humanitären Nothilfe oder der Entwicklungshilfe. „Wir suchen noch nach einer neuen Weltordnung“, so der Staatsminister.

Trump will „gute Deals“

„Trump hat viele Direktiven erlassen, er gilt bei seinen Anhängern als ein Präsident, der anpackt“, sagte Laura von Daniels. „Er denkt in der Politik wie ein Unternehmer und will stets dominieren“, so die Amerika-Expertin. Für Trump gehe es immer um „gute Deals“. Er habe viel Einfluss auf die Handelspolitik und die Finanzmärkte. Das könne auch Auswirkungen auf Europa haben. Die USA seien mehr als die Person Trump und als Demokratie stabiler als man denke, ergänzte Michael Roth. Dessen Wahl könne man nicht ändern, sie sei auch ein Weckruf für Europa. „Wir müssen mehr tun, sollten aber realistisch bleiben. Und ohne die Kooperation mit den USA geht es nicht“. Roth und von Daniels begrüßten beide den kommenden G 20-Gipfel in Hamburg: Persönlicher Dialog sei auch in Zeiten von Twitter immer noch wichtig.
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