Eltern von Emil Otto Hänse ins KZ verschleppt

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Emil Otto Hänse ist in Willinghusen unter dem Namen Hans Uhrbrock aufgewachsen Foto: nik
 
Dokumente hat er keine mehr, bis auf seine Geburtsurkunde Foto: nik
Hamburg: Denksteinweg |

Jenfelderin Adelheid Steffen erinnert sich: Ehepaar hörte den falschen Radiosender

Von Nicole Kuchenbecker
Jenfeld
Sie hörten den falschen Sender und verschwanden. Auf der Suche nach Menschen aus Jenfeld, die es verdienen mit einem Stolperstein geehrt zu werden, brachte uns Adelheid Steffen (82) mit ihrem Tipp entscheidend weiter. Sie erinnerte an Familie Hänse, die eines Tages aus dem Denksteinweg verschwand (das Wochenblatt berichtete). Nun hat sie einen direkten Nachfahren der Familie ausfindig machen können – Emil Otto Hänse, den Sohn. Emil Otto Hänse ist heute 84 Jahre alt. Er erinnert sich an seinen Vater Alfred, seine Stiefmutter Martha. Doch groß geworden ist er nicht bei ihnen. „Meine Mutter starb bei meiner Geburt“, sagt der Senior, der Zeit seines Lebens in Willinghusen lebte, „als ich drei Wochen alt war, kam ich zu der Schwester meiner Mutter.“ Bei Metha und Karl Uhrbrock ist Emil Hänse aufgewachsen. Sie nannten ihn einfach Hans Uhrbrock.

Kontakt zu Eltern abgebrochen

„Jeder hier kennt mich nur unter diesem Namen“, sagt Hänse weiter, dabei hat er seinen „richtigen“ Namen stets behalten. Das Schicksal seines Vaters beschreibt Hänse nüchtern. Es stimme, sagt er, der Vater sei im Konzentrationslager (KZ) gewesen. Die Stiefmutter ebenfalls. „Sie hatten den falschen Sender gehört“, führt er aus, „eines Tages seien zwei Männer in das Café gekommen und hatten nach dem Radio gefragt. Ob sie mal mithören dürften.“ Nichtsahnend schaltete Alfred Hänse das Gerät ein. „Sie zeigten ihre Marken. Sie waren von der Kriminalpolizei“, erzählt Hänse. Martha und Alfred Hänse wurden ins KZ gebracht – und überlebten. Zwei Jahre seien sie fort gewesen, erinnert sich Hänse heute. „Mein Vater war in Bergen-Belsen und in noch einem, glaube ich“, überlegt er. Bis zu ihrem Tod habe das Ehepaar dann wieder in Jenfeld gelebt. Doch Kontakt zu seinem Sohn Emil hat Alfred Hänse nicht mehr gehabt.

Jenfeld ist bislang ohne Stolpersteine

Stolpersteine sind ein kleines Mahnmal. Sie lassen uns im Vorübergehen kurz aufblicken; erinnern an eine Zeit, in der Menschen verfolgt und getötet wurden. Einfach weil sie jüdisch waren oder manchmal nur, weil sie das falsche Radioprogramm hörten. 5000 Stolpersteine sind bereits auf Hamburgs Straßen zu finden. Bislang gibt es noch keinen in Jenfeld. Daher begibt sich das Wochenblatt weiter auf Spurensuche. Helfen Sie uns dabei und erzählen Sie von Ihren Erinnerungen und Erlebnissen.

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Bitte melden Sie sich

Warum hat Jenfeld keine Stolpersteine? Wissen Sie von einem Schicksal einer jüdischen Familie in Jenfeld, die Opfer des Nationalsozialismus wurde? Das Hamburger Wochenblatt sucht Menschen, die sich zu dieser Thematik in Jenfeld aber auch Rahlstedt, Bramfeld oder auch Farmsen engagieren. Setzen Sie sich mit uns in Verbindung.

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