Spenden-Idee: Brot und Kaffee vom Haken

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Ziyaettin Durmus übernahm die Bäckerei vor zwei Jahren in Wandsbek Foto: Möller
 
Die Spenden-Aktion „Brot am Haken“ übernahm Durmus gleich mit Foto: Möller
Hamburg: Holzmühlenstraße 35 |

Hilfsaktion stammt aus Italien. In Wandsbek werden Nachahmer gesucht

Von Christa Möller
Wandsbek
Beim „Wandsbäcker“ hängt das Brot am Haken. Denn der 38-jährige Einzelhändler Ziyaettin Durmus verkauft in seiner kleinen Bäckerei neben Brot und Brötchen, auch etwas, dass es nicht überall gibt in Hamburg: Spenden-Bons. Die können die Kunden bei ihrem Einkauf zusätzlich erwerben, beispielsweise für eine Tasse Kaffee oder Brötchen, ein Brot, ein Stück Kuchen… ganz nach Wunsch und Geldbeutel. Ihre Bons finden dann Platz an einem der drei Haken, für Brot, Kuchen, Kaffee ordentlich sortiert. Und später können Menschen mit schmalem Geldbeutel sich einen dieser Bons aussuchen und ihn einlösen gegen das entsprechende Produkt. „Es sind wenige, die das nutzen“, bedauert Ziyaettin Durmus, der das Geschäft vor zwei Jahren übernommen hat. „Und erst, wenn kein anderer im Laden ist, kommen sie rein.“

Motto: Zwei bezahlen, einen spenden


Die Initiative zu dieser etwas anderen Spendenaktion ging von Durmus’ Vorgänger Sören Özer aus. Der 69-Jährige hat das Geschäft „Wandsbäcker“ an der Holzmühlenstraße 35 in Wandsbek gemeinsam mit seiner Frau Hekmet, 55, im November 2006 eröffnet. „Ich suchte über das Internet Kaffeelieferanten, da sah ich den Eintrag „Kaffee am Haken“. Was ist das denn, fragte ich mich.“ So stieß er auf eine Idee, die bereits in der Nachkriegszeit in Italien sehr gut angenommen wurde: Den „caffè sospeso“, den aufgeschobenen Kaffee für Ärmere, nach dem Motto: zwei bezahlen, einen spenden. „Nach dem Krieg ging es einigen Menschen schlecht, viele hatten nicht mal Kaffeegeld.“ Andere hatten genug und gaben etwas ab.

Hilfe für Ältere mit Mini-Rente


Nach seinem ersten Geschäftsjahr beschloss das Ehepaar Özer, den italienischen Spendengedanken nach Hamburg zu bringen. „Gerade hier in Wandsbek leben viele ältere Leute, die mit einer Mini-Rente für ihren Unterhalt sorgen müssen“, weiß Sören Özer. Nach der Monatsmitte wird oft das Geld knapp. „Also ging ich in den Baumarkt, kaufte einen Bilderrahmen und drei Haken, legte eine kleine Erklärung auf die Tische und dann ging es los.“ Viele Kunden haben sich über seine Idee gefreut, sagt Özer. Zu ihnen zählt Stammkundin Elfriede Paepcke, die nicht nur zum Einkauf, sondern gern außerdem auf einen Klönschnack vorbeikommt. „Die haben alle ein großes Herz hier“, sagt sie. „Ich finde, das ist eine ganz tolle Sache.“

Uni greift Aktion auf


Aber seine Idee sei nicht gleich auf offene Ohren gestoßen, erinnert Sören Özer. Erst nachdem in einem Kalender von der Kirche über das „Brot am Haken“ berichtet wurde, stieg die Aufmerksamkeit. Und mittlerweile gibt es sogar in Bayern „Brot am Haken“ – nebst gleichnamigem Verein. In Hamburg ist die Initiative als Uni-Projekt aufgegriffen worden, ein entsprechender Verein ist in Gründung – weitere teilnehmende Einzelhändler fehlen jedoch noch. „Es kostet kein Personal, aber bis jetzt gibt es keine Nachahmer, soweit ich weiß“, bedauert der 69-Jährige, der überzeugt ist: „Wir müssen lernen zu geben, zu teilen – und andererseits auch lernen, zu nehmen.“ Denn viele würden sich schämen, auf das „Brot am Haken“ angewiesen zu sein. Der Wandsbäcker hat von montags bis freitags zwischen 6 und 17 Uhr sowie sonnabends und sonntags zwischen 6 und 12 Uhr geöffnet – auch für die Kunden der Hilfsaktion „Brot am Haken“.
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