Warme Mahlzeit für Mittellose

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Ursula Schulz (v.l.) , Bernd Gehrke und Birgit Vogler gehören zum festen Team der Kirchenküche, die immer von Montag bis Donnerstag Mahlzeiten an Bedürftige ausgibt Foto: Grell
Hamburg: Robert-Schuman-Brücke 1 |

Die Wandsbeker Christus-Kirche kocht seit 30 Jahren für Bedürftige. Viele kommen täglich

Von Karen Grell
Wandsbek
Einfache Tische an großen Fenstern, gemütliche Stühle, Blumen auf jedem Tisch und eine Kaffeekanne für alle, die sich bedienen möchten – das ist der erste Eindruck, wenn Gäste in die Kirchenküche der Christus-Kirche nach Wandsbek kommen. Zudem ist es eine dringend benötigte Hilfe für viele Wandsbeker, die sich sonst kein warmes Mittagessen leisten könnten.

Mittagessen für 1,50 Euro

Wer nur wenig Rente bekommt, nennt sich selber einen „Aufstocker“, der neben den Bezügen, die er monatlich erhält, auch noch auf Unterstützung vom Staat angewiesen ist. „Wir bekommen doch alle dasselbe“ erklärt Uwe, der die prekäre Lage vieler älterer Menschen in Hamburg kennt und darüber auch mal ein Buch schreiben will. Glücklich sind deshalb alle, die mit wenig Geld im Monat auskommen müssen, egal, ob als Rentner, Hartz IV Empfänger oder Arbeitslose, darüber, dass es in Wandsbek diese Kirchenküche gibt, wo man für 1,50 Euro fast die ganze Woche über ein warmes Mittagessen bekommt. Seit nun schon 30 Jahren können Bedürftige hier von Montag bis Donnerstag an einem leckeren Mittagstisch teilnehmen. „Man bekommt sogar Nachschlag wenn man möchte“, schwärmen Bernd und Dieter, die hier seit über zehn Jahren Dauergäste sind. „Es schmeckt gut und für so wenig Geld können wir doch zuhause gar nicht kochen“. Die beiden sitzen immer zusammen an einem Tisch beim Essen. „Freundschaften entstehen aber weniger“, so die Rentner, die sich meistens nur in der Kirchenküche begegnen.

Kein Geld für warmes Mittagessen

Uwe sieht seine Situation etwas dramatischer. Er sei aus finanziellen Gründen absolut auf die Kirchenküche angewiesen und das nach 45 Jahren Arbeit. „Ich war eine Zeit lang selbstständig, da habe ich keine Rente eingezahlt“, verrät er. Das habe ihn in seine heutige Lage gebracht. Schön sei hier die Herzlichkeit, mit der jeder empfangen wird. Das ist Birgit Vogler, die hier seit siebzehn Jahren zum festen Team der Kirchenküche gehört, auch besonders wichtig: „Jeder ist hier gleich, keiner wird bevorzugt oder benachteiligt“. Zusammen mit ihrem Team aus festangestellten und ehrenamtlichen Mitarbeitern hat sie den Mittagstisch im Griff. „Hier läuft fast immer alles harmonisch ab und wenn es mal Streit gibt, dann greifen wir sofort ein.“

Einkommen offenlegen

Wer in der Kirchenküche essen möchte, der müsse einmalig einen Gehaltsnachweis mitbringen und sich registrieren. „Dann geben wir ihm einen Ausweis“, sagt Birgit Vogler. Wer nicht bedürftig ist, kann auch nicht auf eine Mahlzeit in der Kirchenküche hoffen. „Es kamen eine Zeit lang Besucher mit dem Auto vorgefahren“, erinnert sich Birgit Vogler. Gemeinsam mit ihrem Team hätte sie beschlossen, dass die Kirchenküche und ein eigenes Auto einfach nicht zusammenpassen. Für alle, die einen wirklichen Anspruch haben, gibt es zu jedem Essen, das immer auf Hausmannskost basiert, auch noch einen Nachtisch und Kaffee satt. „Wer noch Hunger hat, kann einen zweiten Teller bekommen“, sagt Birgit Vogler. Bernd und Dieter sind begeistert von der Herzlichkeit und der Fürsorge, die sie hier empfinden und sind sich einig, dass die Kirchenküche einfach „eine wunderbare Einrichtung“ ist. Sie kommen täglich von Montag bis Mittwoch zum normalen Betrieb und lassen aber auch den Donnerstag nicht aus, wenn die jungen Erwachsenen, die straffällig geworden sind, hier kochen und ihre Gerichte für 50 Cent anbieten. „Die Menüs sind dann etwas einfacher“, kommentiert Uwe den Donnerstag, „schmecken aber genauso lecker.“ Das Schöne sei für ihn das Miteinander. Das gemeinsame Sitzen an einem Tisch und die Atmosphäre, die dabei entstehe. Dieter und Bernd schwärmen an diesem Morgen noch von dem Jubiläumsfest zum dreißigjährigen Bestehen in der Kirche. Da habe es ein riesen Buffet gegeben, mit unterschiedlichen Gerichten und natürlich auch viele lobende Worte, die an die Ehrenamtlichen gerichtet waren. Zu Recht, meinen die Gäste, denn ohne diese Einrichtung „würden viele in Wandsbek nicht wissen, wie sie zurechtkommen sollen.“
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