Zeitzeugin: „Und dann war die Familie weg“

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Adelheid Steffen erinnert sich an eine Familie, die den „falschen Sender“ hörte und daraufhin verschwand. Das Schicksal dieser Familie ist ungeklärt Foto: nik
Hamburg: Denksteinweg |

Jenfelderin meldet sich nach Aufruf im Wochenblatt. Bekommt Stadtteil jetzt ersten Stolperstein, der an die NS-Opfer in Hamburg erinnert?

Von Nicole Kuchenbecker
Jenfeld
Es ist die Zeit des Gedenkens, es ist die Zeit der Erinnerung. Während auf dem Dulsberg von der Geschichtsgruppe ein Rundgang zum Thema Stolpersteine angeboten wird, suchen wir in Jenfeld weiter nach Menschen, die einen verdienen (das Wochenblatt berichtete). Wochenblatt-Leserin Adelheid Steffen (82) erinnert sich dabei an Familie Hänse. Wie die Familie geschrieben wird, ist nicht genau bekannt. Es könnte dabei Hense, Haense oder Hänse sein. Als Adelheid Steffen die Familie kennen lernte, war sie noch ein Kind. Seit 1934 lebt die Jenfelderin nahe der Rodigallee in ihrem Elternhaus. Dort wohnt sie noch heute. „Ende des Krieges war ich ja erst elf Jahre alt“, sagt die Dame, mit einem Nachklang der Entschuldigung in der Stimme. Dafür dass sie so jung war und mehr als 70 Jahre mittlerweile ins Land gegangen sind, erinnert sich die Jenfelderin noch gut an die Familie Hänse, die einst ein Café im Denksteinweg gegenüber der Einmündung des Gehrdenweges hatte. Als kleines Mädchen habe sie dorthin den Spargel, den die Mutter im Garten zog, verkauft. „Irgendwann sagte meine Mutter nur, da brauchst Du nicht mehr hin, die sind weg. Die haben den falschen Sender gehört“, erinnert sich Adelheid Steffen.

Café am Denksteinweg


Heute ist das Café längst Neubauten gewichen, doch Adelheid Steffen erinnert sich noch. Wie alt dieses Ehepaar war, kann sie nicht sagen: „Für mich waren sie ein altes Ehepaar. Aber wenn man elf Jahre alt ist, dann sind 45 Jahre ja schon alt.“ Das Haus, in dem die Familie lebte, war grün, es stand noch längere Zeit leer. „Es wurde aber nie wieder über diesen Vorfall gesprochen“, sagt Steffen. Zu der Zeit gleicht Jenfeld einem Dorf mit rund 800 Einwohnern. Zum Kaffeetrinken war Adelheid Steffen mit ihre Eltern nie bei der Familie Hänse: „Kaffee und Kuchen gab es immer zu Hause.“ Unsere Suche nach Menschen, die Opfer des Nationalsozialismus in Jenfeld wurden, geht weiter. Während in anderen Stadtteilen Stolpersteine an die Menschen erinnern, gibt es in Jenfeld bislang keinen. Daher sucht das Wochenblatt weiter nach Zeitzeugen.

Info und Kontakt


Warum hat Jenfeld keine Stolpersteine? Wissen Sie von einem Schicksal einer jüdischen Familie in Jenfeld, die Opfer des Nationalsozialismus wurde? Das Hamburger Wochenblatt sucht Menschen, die sich zu dieser Thematik in Jenfeld aber auch Rahlstedt, Bramfeld oder auch Farmsen engagieren. Setzen Sie sich mit uns in Verbindung.

Adresse: Curslacker Neuer Deich 50, 21029 Hamburg

E-Mail: wbv.redaktion@hamburger-wochenblatt.de

Telefon: 040/554 47 27 37

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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 09.02.2017 | 19:46  
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