Beratung für Menschen in Not in Billstedt

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Das Gemeindezentrum Mümmelmannsberg steht für Menschen mit seelischen Erkrankungen offen Foto: fbt
 
Karen Dischleit ist für einen niedrigschwelligen Zugang Foto: fbt
Hamburg: Havighorster Redder 50 |

Mehrere Träger veranstalten gemeinsam ein Café für seelisch Erkrankte

Von Frank Berno Timm
Billstedt
Mehr als ein Dutzend Träger veranstalten das Café „Seelische Gesundheit“, das jeden Donnerstag im Gemeindezentrum Mümmelmannsberg stattfindet. Auch im Neuen Jahr ist es Anlaufstelle für alle, die sich über seelische Erkrankungen informieren wollen oder Hilfe suchen. Pastor Stefan Thieme hat zwei Fachfrauen mit ins Gemeindezentrum Mümmelmannsberg gebracht. Nicht alle Gäste, erzählt Thieme, trauten sich gleich ins Gebäude – dann geht der Pastor zum Eingang und begleitet sie hinein. Sharif Zadeh von der Pestalozzi-Gesellschaft arbeitet schon lange mit psychisch Kranken: Die meisten hätten Depressionen seien, sagt die Perserin. Das sieht auch Karen Dischleit vom Rauhen Haus so und fügt hinzu, es sei schwierig, sich selbst einzugestehen, dass man diese Krankheit habe.

„Niedrigschwelliger Zugang“

Donnerstags von 14 bis 17 Uhr kann man hier im Gemeindezentrum Mümmelmannsberg, das in der Mitte des Stadtteils liegt, Rat und Hilfe suchen. Immer wieder fällt im Gespräch mit den drei Beratern das Wort „niedrigschwelliger Zugang“. Sie könnten Orientierung bieten, Bezugsperson sein, beim Vortasten helfen. Es gehe um Menschen, die zuhause ihre Post vom Amt nicht mehr öffneten. „Wenn einer sagt: Ich bring mich um, würden wir schon was in die Wege leiten“, fügt Karen Dischleit hinzu. Nach wie vor, so die Berater, gebe es viel zu wenige Therapieplätze, noch schwieriger sei es, für Migranten Behandlung in deren Muttersprache zu organisieren – sie seien noch ganz anders traumatisiert.
Karen Dischleit berichtet, ein Teilnehmer des Cafés sei in einem Fortbildungsprojekt des UKE, das Kranke in der Betreuung ausbildet: diese „Peer“-Leute könnten ganz anders agieren, weil sie eigene Erfahrung mit seelischen Leiden hätten.

Noch mehr Menschen erreichen

Stephan Thieme skizziert, wie es zu diesem Beratungscafé kam: Er sei eingeladen worden in die Tagesklinik zu einem Runden Tisch über psychosoziale Betreuung und hätte sich als Mitarbeiter eines Trägers mit 2.000 Jahren Erfahrung vorgestellt. Man sei sich damals einig gewesen, dass es kein Angebot in Mümmelmannsberg gebe, die zweite Runde habe schon im Gemeindezentrum stattgefunden. Das sei, betont Thieme, wunderbar geeignet und man müsse nichts Neues anmieten.
Und wie geht es im Neuen Jahr weiter? „Wir wollen, dass wir mehr Menschen erreichen“, antwortet Sharif Zadeh, es sei Ziel, dass die Tische voll sind. Religiöse Zugehörigkeit, fügt Pastor Thieme hinzu, spiele natürlich keine Rolle: „Dieses Gemeindezentrum ist als Ort des Stadtteils gebaut“. Religiös heiße, dass es um Lebensthemen gehe und er habe das „Riesenziel, das Haus mehr für den Stadtteil zu öffnen“. Sharif Zadeh ergänzt, das Besondere an diesem Café sei, dass hier ganz verschiedene Menschen arbeiteten – sie als Perserin neben einem Ghanaer. Und Stefan Thieme sagt, Menschen, die an Depression erkrankt wären, seien besonders „fühlige“, also empfindsame, „die brauchen wir“. Der Donnerstagstermin ist nicht zufällig gewählt: Gleichzeitig ist Hamburger Tafel, auch eine Selbsthilfegruppe für Depressionen und Angststörungen (ab 16 Uhr) findet zeitgleich statt, die entsprechenden Synergien wolle man nutzen. Auch eine Theatergruppe von Menschen mit solchen Erkrankungen, genannt „Die stabilen Labilen“, spielt inzwischen im Gemeindezentrum.

Das Beratungscafé Seelische Gesundheit findet donnerstags von 14 bis 17 Uhr im Gemeindezentrum Mümmelmannsberg, Havighorster Redder 50, statt. Die Beratung ist auch auf Spanisch, Französisch, Englisch, Türkisch, Farsi, Dari, Twi und Russisch möglich.
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