Interview mit Daniel Dombrowe vom Baltic Soul Weekender am Weißenhäuser Strand

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Keine Zeit für verschränkte Arme: Festivalmacher Daniel Dombrowe aka DJ Dan D. hat kurz vor Beginn des Baltic Soul Weekenders alle Hände voll zu tun. (Foto: Soul Weekender GmbH & Co.KG)
 
Old School: Das Line Up vom Weekender stammt aus einer Zeit "when music was music". (Foto: Soul Weekender GmbH & Co.KG)
Am Wochenende ist der Baltic Soul Weekender 2013, für die Deutschen mit entwickeltem Musikgeschmack quasi Pflichttermin. House-Ikonen wie Joey Negro und Adeva sowie The Band New Heavies und Oliver Cheatham sind schon Gründe genug für den Kurzurlaub am Ostseestrand. Obwohl Festivalgründer Daniel Dombrowe kurz vor Beginn der Soundchecks mit letzten Vorbereitungen beschäftigt ist, nahm er sich Zeit für ein exklusives Gespräch mit Deutschlands führendem Black Music-Portal rap2soul.de:

Torsten Fuchs: Gibt es Neuigkeiten für die Besucher oder bleibt alles beim Alten?
Daniel Dombrowe: Alles bleibt, wie geplant. Auf die eine oder andere Überraschung dürfen sich die Besucher dennoch freuen.

T. Fuchs: Der BSW meldete in diesem Jahr erstmals, dass Festival sei ausverkauft. Stoßen die Macher an Grenzen; wenn ja, inwiefern?
D. Dombrowe: Der Baltic Soul Weekender ist seit 2009 jedes Jahr im Februar ausverkauft. Wir haben dies bisher nur noch nicht an die große Glocke gehängt. Die Tickets, die nach Februar noch verfügbar sind, stammen ausschließlich aus Rückläufern und sind für Gäste auf der Warteliste reserviert.
In diesem Jahr hatten wir zwischendurch allerdings zum ersten Mal über 1000 Personen auf der Warteliste.
Die Kapazität beim Baltic Soul Weekender ist auf 5000 Besucher pro Tag begrenzt. Das schafft viele Möglichkeiten im Bereich der Qualität, die auf Festivals mit 30.000 Besuchern und mehr nicht umsetzbar sind. Schränkt im Umkehrschluss allerdings auch das Budget für Künstler ein.

T. Fuchs: Reicht ein großes Soulfestival für Deutschland? Warum gibt es das Festival nur einmal im Jahr?
D. Dombrowe: Das sich eine Veranstaltung wie der Baltic Soul Weekender in Deutschland überhaupt etabliert hat, ist schon Bestätigung genug. Allerdings veranstalten wir seit 1994 die größten Soul Veranstaltungen Deutschlands und somit ist der Baltic Soul Weekender das Ergebnis jahrelanger Erfahrung auf diesem Gebiet. Der Baltic Soul Weekender gilt international als eine der best organisierten Veranstaltungen in diesem Gebiet. Das Baltic Soul Team arbeitet das ganze Jahr über mit Herz und Seele am nächsten Baltic Soul Weekender.

T. Fuchs: Soul hat in Deutschland keine starke Lobby. Es gibt den Weekender, ein Musikportal wie rap2soul.de, Partys in Städten wie Berlin und Hamburg – das war es aber auch. Haben Sie eine Idee, wie sich die Situation verbessern lässt?
D. Dombrowe: Die meisten DJs, die international einen Status erreicht haben, sind wie ich in Jugendzentren (Youth Clubs) mit Soul Musik in Berührung gekommen. Die Situation hat sich für Jugendliche heute durch moderne Medien natürlich stark verändert. Dennoch glaube ich, dass aufgrund dessen, das Soul in den öffentlichen Medien so gut wie nicht stattfindet, viele Jugendliche gar nicht wissen, dass sie die Musik gut finden. Da ist noch reichlich Luft im Bereich Jugendförderung für musikalisch-fehlgeleitete Seelen.

T. Fuchs: Das Splash!-Festival 2013 hat mit John Legend einen Künstler gebucht, der auch zum Weekender gepasst hätte. Hätten Sie ihn oder vergleichbare Artists wie Anthony Hamilton oder Jaheim auch gern dabei?
D. Dombrowe: Mit vielen populären US-Künstlern ist das Problem leider immer dasselbe. Die sind einem Management verpflichtet, das wiederum eine Weltagentur beauftragt, die wiederum eine Europa-Agentur beauftragen, die wiederum eine deutsche Agentur beauftragt. Da alle involvierten Personen daran natürlich Geld verdienen wollen, sind im Endeffekt die Gagenforderungen für Festivals in der Größe des Baltic Soul Weekenders nicht mehr finanzierbar. Wir arbeiten stetig daran, ein möglichst breites Spektrum im Programm zu haben. Wenn es zeitlich und wirtschaftlich machbar ist, werden auch die US-Künstler in den kommenden Jahren zu Gast sein.

T. Fuchs: Mit „GranCanSoul“ wurde das Festival Ende 2012 erstmals exportiert. Sind Sie damit zufrieden? Gibt es eine Neuauflage?
D. Dombrowe: Ja, auch dieses Jahr werden wir wieder versuchen, eine Mischung aus Urlaub und Events zu präsentieren. Das Zusammenspiel von guter Musik und Sonne hat eine, für Nordeuropäer völlig neue, Wirkung. Dazu kommt das hervorragende Essen und eben einfach die Möglichkeit von vorn herein zu wissen, dass die Gäste mit den Mitreisenden auf einer Wellenlänge sind.

T. Fuchs: Nach welchen Kriterien werden eigentlich die Künstler ausgewählt?
D. Dombrowe: Jedes Jahr bewerben sich über 1000 Künstler, um beim Baltic Soul Weekender auftreten zu können. Das hängt stark mit der Publikumsstruktur zusammen, da über 40% der Gäste aus dem Musikbusiness kommen. So werden zum Beispiel Samstags Nachmittags auf der Terrasse per Handschlag Tourneen vereinbart, oder Schallplattendeals getätigt.
Im Endeffekt spiegelt das Programm meinen persönlichen Musikgeschmack wider und über das jahrelang gewachsene Netzwerk schaffen wir es glücklicher Weise immer noch, die eine oder andere Legende aufzuspüren.

T. Fuchs: Wie sind Sie auf die –zugegeben geniale- Idee gekommen, ein solches Festival zu stemmen, das nicht nur mit dem musikalischen Angebot, sondern mit der familienfreundlichen Komponente punktet?
D. Dombrowe: Das ist ein Zusammenspiel aus vielen Faktoren. Zum einen natürlich die aus England stammende Weekender Idee. Soulenthusiasten übernehmen dort bereits seit den 70ern für ein Wochenende lang Seaside Resorts und veranstalten dort Soul Weekender. In Deutschland gibt es allerdings keine musikalische Historie, dass sich so ein Weekender hätte von selbst entwickeln können. Die Vertragsverhandlungen zum ersten Baltic Soul Weekender dauerten fast zwei Jahre, da die Veranstaltungslocation vorher ein Abenteuer in dieser Größenordnung noch nie eingegangen war.
Dazu kommt, das Gäste ab einem bestimmten Alter nicht mehr regelmäßig in Clubs gehen. Wenn sich also einmal im Jahr alle netten Musikliebhaber beim Baltic Soul Weekender treffen, reicht das vollkommen aus. Im Endeffekt versuchen wir, allen Ausreden moderner Erwachsener entgegentreten zu können. Sie haben Kinder? Dann bringen sie die Kinder doch mit. Sie haben viel zu tun? Dann können sie ihre Termine ein ganzes Jahr um den musikalischen Kurzurlaub an der Ostsee herum planen. Ihnen liegt die Musik nicht, die gerade auf einer Party läuft? Beim Baltic Soul Weekender gibt es sechs unterschiedliche Tanzflächen, die mit einigen der renommiertesten DJs weltweit bestückt sind.

T. Fuchs: Sie sind selbst Liebhaber und DJ, welches Wunsch-Line up hätten Sie für das kommende Jahr?
D. Dombrowe: Das ist schwer zu sagen. Es gibt noch so viele Künstler, die ich mir beim Baltic Soul Weekender vorstellen könnte. Das hängt von vielen Faktoren ab. Der Unterschied zu den meisten Festivals ist ja, dass die für uns interessanten Künstler nicht touren, noch ein Management besitzen. Viele von den legendären Künstlern besitzen nicht einmal ein Mobiltelefon oder eine Email-Adresse. Wir kontaktieren durchgehend Künstler und fragen, ob sie Interesse hätten. Bei manchen dauert es zwei bis drei Jahre, bevor wir sie überzeugen können, nach Deutschland zu fliegen.

Die Veröffentlichung dieses Interviews erfolgt mit freundlicher Genehmigung von rap2soul.de in Berlin.
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