(K)eine Buchrezension „I. S.“ von C. M.

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(Foto: S. FISCHER Verlag)
„Hamburger Wochenblatt? Kenn’ ich nicht“, sagte nicht die Pförtnerin, sondern die für Pressearbeit zuständige Mitarbeiterin des S. FISCHER Verlags in Frankfurt. Mit einem Tonfall, der fällt, wenn die Fallhöhe unter der des Spiegels oder der BBC ist. Zur Vorgeschichte: Im bequemen Ordersystem für Pressemenschen hatte ich ein Buch bestellt und keine Antwort erhalten. Was unüblich ist, deshalb hakte ich telefonisch nach. Ich hatte ein so genanntes ‚Rezensionsexemplar’ angefordert.


Journalisten schreiben auch über Bücher


Ein normaler Vorgang, denn Journalisten fordern kostenlose Exemplare an und bekommen sie in der Regel auch. Meistens werden sie mit Büchern regelrecht zugeschüttet, die Redaktionen verlosen diese dann als Päckchen bei Gewinnspielen. Kein Verlag muss Bücher an Journalisten schicken und kein Journalist muss über Bücher schreiben, die er angefordert hat. Und kein Journalist lobt ein Buch, nur, weil er es kostenfrei bekommen hat. Auf meinem Schreibtisch stapeln sich die Freiexemplare, über die ich schreiben könnte. Ich aber war gespannt auf das neue Buch von C. M. und hielt es für angebracht, seinen Roman einer interessierten Leserschaft im Großraum Hamburg vorzustellen. Ihn für gut oder schlecht zu befinden, wie es Kritiker eben machen.

Zwischen Bukowski und Kerouac


Ich kenne C. M., denn ich habe seinen starken Lokalroman „Als wir träumten“ damals mit Interesse gelesen. M. gab eine sächsische Antwort auf Bukowski, er schrieb mit der ungestümen Unbekümmertheit von Kerouac. Er war „unterwegs“ in dem miesesten Viertel einer Großstadt im postrevolutionären Osten. Die Lesefreude, die ich hatte, wollte ich teilen mit anderen, die gern lesen. Das Buch sei schon in aller Munde, darüber müsse jetzt nicht mehr geschrieben werden, teilte mir die zuständige Pressefrau lapidar mit. Na, wenn das so ist, dann wissen Sie ja schon Bescheid, oder? Dann kann ich getrost den Titel des aktuellen Werks abkürzen, um ihre wertvolle Lesezeit nicht zu vergeuden und zu sparen. Wie der hessische Verlag, dessen MitarbeiterInnen jetzt auch das Hamburger Wochenblatt kennen.
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