55. Jahrestag Flut ´62: Treffen der Gemeinschaft ehemaliger Waltershofer/Dradenauer im DUCKDALBEN

Wann? 18.02.2017 11:00 Uhr

Wo? Duckdalben, Zellmannstraße 16, 21129 Hamburg DE
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  Hamburg: Duckdalben |

Vortrag 11 Uhr DUCKDALBEN: Waltershof 1943 - 1962 oder: „Was hat ein Matrizendrucker des Widerstands mit der Sturmflut von 1962 zu tun?“

Ab 15 Uhr. Gedenkveranstaltung Hohenwischer Brack, Francop, Flutdenkmal.

Am 18. Februar 2017 ab 11 Uhr treffen sich erneut über 100 ehemalige Bewohner des nach der großen Flut 1962 aufgegebenen Siedlungsgebietes Waltershof im international seamen´s club DUCKDALBEN. Traditionell verabredet sich die „Gemeinschaft ehemaliger Waltershofer / Dradenauer“ jeweils am Folge-Samstag nach dem Tag der Sturmflut. Dieses Jahr erinnern Detlef Baade und Johannes Tönnies vom Arbeitskreis Flutdenkmal jedoch nicht nur an die Katastrophe. Tönnies liest auch aus seinem Buch über die alte Heimat und erinnert daran, was 20 Jahre vor der Flut auf der Elbinsel geschah. Dabei beantwortet er Fragen wie: Warum fanden so viele Waltershofer den nassen Tod? Was hat ein Matrizendrucker aus dem Widerstand gegen die Nazis mit der Flut zu tun?

Die Antwort auf die erste Frage ist Teil der Biografie von Tönnies: Er trug viele Jahre die Post zu den über 4.000 Menschen auf der Elbinsel. Viele von ihnen waren dorthin in Kleingartenlauben und Holzhütten ausgewichen, weil ihre Häuser durch Bomben 1943 vernichtet worden waren. Auch der 23-jährige Tönnies zog aus der zerbombten Wohnung in Altona mit Mutter und Großeltern in das Provisorium Waltershof. Aus dem Behelf entstand eine Kleinstadt - in der auch Widerstandskämpfer lebten. An einen von ihnen erinnert Tönnies im DUCKDALBEN: Herbert Baade, 1912 geboren, führte erst einen Friseurladen vis-à-vis vom „Michel“, dann siedelte er über nach Waltershof, um dort einen Herren- und Damensalon zu eröffnen. Er war jedoch nicht nur Friseur, sondern auch Widerstandskämpfer gegen die Nazis. Er druckt Flugblätter auf einem Matrizendrucker, der im Keller des Friseursalons in Waltershof stand - und erst 1962 bei der Flut weggespült wurde. 1933 wurde Baade von der Staatspolizei verhaftet, kam in das KZ Wittmoor und nach Fuhlsbüttel. Nach seiner Entlassung führte er den Widerstand fort, wurde erneut verhaftet und vom Volksgerichtshof in das Zuchthaus Brandenburg überstellt, danach in die Strafdivision 999. Nach Kriegsende gehörte er zu den Gründern der Hamburger Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Auch daran erinnert Tönnies. Auf Waltershof hatten die Nazis zwei Lager für Kriegsgefangene und sechs für Zwangsarbeiter eingerichtet.

2017 jährt sich der Tag der Flut zum 55. Mal. Daher findet eine weitere Veranstaltung am Jahrestag (15 Uhr) am Hohenwischer Brack statt (Ortsteil Francop). Hier erinnern das Flutdenkmal „Die Wellenwand“ und eine Gedenktafel mit 76 Namen an die Opfer in den Elbgemeinden zwischen Cranz und Harburg, aus Moorburg, Francop, Neuenfelde, Waltershof, Finkenwerder. Hans A. Gerdts, Pastor i.R. eröffnet mit einer Ansprache die Kranzniederlegung; Überlebende wie Tönnies verlesen die Namen der Toten, darunter 42 aus Waltershof.

Kontakt Waltershofer: Johannes Tönnies, 0177 – 7991348, johannes_toennies@web.de, detlef.baade@web.de, 0175 - 7757395
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