„Pflegestärkungsgesetz muss auch praktisch umsetzbar sein.“

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Klaus Wicher
„Altenpflege ist nicht nach Kostenaspekten zu betrachten. Sie ist eine Sache der Würde – um jeden Preis“, nimmt Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender des Sozialverband SoVD, Bezug auf den 4. Pflegequalitätsbericht der Krankenkassen, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Der Bericht notiert zwar, dass sich die Pflege in vielen Bereichen verbessert habe. Geblieben sind Probleme bei der Versorgung von Menschen mit ständigen Schmerzen oder bei der häufigen, sogenannten Fixierung von Menschen, die der Medizinische Dienst (MDS) des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kritisiert. Wicher nimmt diese Kritik auf und führt sie weiter. „Eine derartige menschenunwürdige Lage der Menschen in Pflegeheimen ist auch der zwar verbesserten, aber immer noch unzureichenden personellen Ausstattung und Qualifizierung geschuldet. Und das ist eine Frage der Kosten, aber auch der grundsätzlichen Einschätzung, wie wir heute in der Gesellschaft Ältere sehen.“

Wicher verweist hier auf die Praxis in Ländern wie Skandinavien. Hier sollen ältere Menschen so lange wie möglich selbständig leben können. So erhielten auch Menschen, die nur einen geringen Unterstützungsbedarf haben - wie zum Beispiel beim Einkaufen oder bei der Hausarbeit - Assistenzleistungen. "Wer in Deutschland Bedarf hat, bekommt hingegen keine Unterstützung. Wir müssen jetzt darauf warten, wie sich das gerade wirksame Pflegestärkungsgesetz praktisch auswirkt. Anfragen an Pflegestützpunkte und bei anderen Beratungsstellen zeigen, dass offenbar nur wenige wissen, wer welche Leistungen nach dem neuen Gesetz erbringen kann.“

Auch bei der vom Pflegestärkungsgesetz vorgesehenen Hilfe durch Angehörige schaut Wicher nach Schweden. Wenn Angehörige dort die Pflege übernehmen, können sie einen Vertrag mit der Kommune schließen und erhalten Lohnersatzleistungen und einen Ersatzarbeitsplatz bei der Kommune. Skandinavien gibt etwa dreimal mehr Geld aus als Deutschland. Zudem geht ein großer Teil davon sogar noch ins Gesundheitssystem. „Anders in Deutschland“, so Wicher, „Hier werden möglichst viele Leistungen in die Pflege verlagert. Das aber führt den Grundsatz ´Reha vor Pflege` ad absurdum. Der Sozialverband SoVD setzt sich für eine Pflege ein, die eine eigenständige Lebensführung möglichst lange ermöglicht – auch mit Unterstützung der ambulanten Pflegedienste.
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