„Regionales Wohngeld am Hochmiet-Standort Hamburg längst überfällig“

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Klaus Wicher, SoVD Hamburg

„Wohngeld muss regionale Besonderheiten berücksichtigen, um auch in Hochmiet-Metropolen wie Hamburg bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Nur so erhält sich soziale Vielfalt - überall“, sagt Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender des Sozialverbands SoVD. Er nimmt Bezug auf die Ankündigung des Bundes, das Wohngeld zu erhöhen. Er verweist auf die Entwicklung in Hamburg. Hier erhielten 2010 noch 17.532 Haushalte Wohngeld, 2012 waren es nur noch 14.715. Vor zehn Jahren lag die Zahl der Haushalte mit Wohngeldbezug noch bei knapp 20.000

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„Damit sinkt die Anzahl der Wohngeldbezieher trotz steigender Mieten“, kritisiert Wicher: „Der Grund ist aber nicht in steigenden Einkommen der ehemals Berechtigten zu suchen, sondern dass die Mehrzahl dieser Menschen inzwischen vollständig in Grundsicherungs- oder Hartz IV Bezug gerutscht sind.“

Wohngeld ist vorrangig vor Grundsicherung und Hartz IV zu leisten und wird nur gezahlt, wenn damit dieser Bezug verhindert werden kann. Bezieher von Grundsicherung und Hartz IV haben durch die Wohngelderhöhung nicht 1 Cent mehr in der Tasche. Allenfalls Aufstocker, die durch die Erhöhung aus dem Leistungsbezug Hartz IV fallen und nur noch Wohngeld bekommen. Gerade im Lebensbereich Wohnen klaffe in Hamburg die erst vor kurzem im Armutsbericht 2014 festgestellte Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander. „Die Hamburger Landkarte durchzieht eine soziodemografische Kluft zwischen reichen und armen Viertel. Sozial benachteiligte Menschen werden an den Rand der Stadt gedrängt“. Dazu zählt Wicher Familien, Alleinerziehende und besonders ältere Menschen.

Auch nach Aussagen des Bundes soll die Wohngeldreform gerade Familien, Geringverdienern und Rentnern zugutekommen. Was fehlt, ist jedoch die regelmäßige Anpassung an die tatsächlichen Verhältnisse. Die letzte Reform war 2009. „Eine künftige Überprüfung in 4 Jahren ist völlig unzureichend. Hier bedarf es der tatsächlichen regelmäßigen Anpassung mindestens im Abstand von vier Jahren. Weiter rät Wicher zu einer Umsteuerung im Wohnungsmarkt für Ältere. Konzepte, die es Älteren ermöglicht, in eine kleinere und altersgerechte Wohnung zu ziehen, müssen überlegt werden. Das darf natürlich nur auf freiwilligerer Basis geschehen. Denn Senioren dürfen nicht die verfehlte Wohnungspolitik ausbaden“.
Der Wechsel in altengerechte Wohnungen sei zudem nicht leicht, da barrierefreie und seniorengerechte Wohnungen fehlen. Und: die neue Wohnungen seien zumeist teuer als die alten. „Hier könnte ein Wohn-Wechsel-Geld Ältere unterstützen, die ihr zu Hause gegen eine kleinere, auf die Bedürfnisse von Einzelpersonen oder älteren Ehepaaren zugeschnittene Wohnung tauschen wollen. Die Höhe des Bonus muss abhängig sein von der Miethöhe sowie vom Aufwand des Umzuges.“





http://www.sozialverband-hh.de/
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