Heißes Konzert-Jubiläum im MusicStar

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Musicstar-Überraschungsparty mit Blame Sally. Foto: pi
 
Aftershow mit Blame Sally, MusicStar-Team und Fans... Foto: Heiner Lahn

500. Konzert mit Blame Sally wurde zur Überraschungsparty

Norderstedt. „Damit habe ich nun gar nicht gerechnet“, wundert sich Wolfgang Sedlatschek, Macher des MusicStar noch weit nach Mitternacht an diesem Sommerabend. „Dass es wirklich schon das 500. Konzert gewesen sein soll, kann ich einfach nicht glauben.“
Etwas skurril wirkte es schon, als vor dem Konzert die Crew des MusicStars die Bühne betrat, bunte Papphüte aufsetzte und begann, mit Partytröten Lärm zu machen, bis Sedlatschek sich auf die Bühne bitten lies. Bis dahin war die Meldung noch nicht durchgedrungen, das Publikum dachte an einen Geburtstag der Mitglieder. Als dann aber die Band Blame Sally, angekündigt als die „Fabelhaften Bakergirls“ mit einer Torte aus dem backstage-Bereich hervor kamen, auf der ein große 500 zu sehen war, war der Jubel riesig.
„Eigentlich legen wir auf so etwas ja keinen Wert, aber wenn dann mal jemand aufpasst, ist es doch schön zu sehen, das unsere Arbeit hier von allen gewürdigt wird.“ gesteht Sedlatschek sichtlich gezeichnet von heißesten Konzert des Jahres. „Und dann darf man auch mal Danke sagen, dem fantastischen Publikum, das mit seinen Spenden dafür sorgt, dass wir uns das Ganze überhaupt leisten können, all den Menschen in der Verwaltung, die uns als Kulturträger aushalten, den Sponsoren, den Bands, die häufig genug nur einen Bruchteil ihrer üblichen Gage bekommen und natürlich dem Team, das mit viel Engagement mittlerweile 70 Produktionen im Jahr professionell auf die Bühne bringt. Danke!“.
Und in der Tat hat sich der Musicstar in den letzten 15 Jahren einen guten Ruf in der Livemusikszene erarbeitet. Mit dem Schwerpunkt auf Folk, Roots, Americana und erdiger Rockmusik ist ein Stopp in Norderstedt zum Pflichttermin vieler amerikanischer und kanadischer Bands geworden. Und wer einmal da war, will immer wieder kommen. „Das ist hier ein ganz besonderer Ort, hier lebt die Musik, man spürt die Liebe der Menschen zu guter Musik und man fühlt sich schnell zuhause“, erzählt Jeri Jones aus San Francisco, Gitarristin der Band Blame Sally, die nun zum zweiten Mal im MusicStar gastierten.
Sedlatschek könnte eigentlich jeden Tag ein Konzert im MusicStar veranstalten, so viele Anfragen bekommt er. „Aber 70 pro Jahr sind wirklich genug. Wenn wir dann immer noch nicht genug haben, können wir ja noch ins Kulturwerk gehen oder ein Festival machen.“
Und das macht die MusicWerkstatt dann auch schon Anfang September wieder. Da hat Sedlatschek Ian Matthews, Sänger der 1967 gegründeten britischen Folklegende Fairport Convention ins Kulturwerk geladen, der mit seiner Band Plainsong seine Abschiedsvorstellung in Norderstedt gibt. Das Konzert wird vom NDR aufgezeichnet und später als Radiokonzert gesendet. Bis dahin gibt es noch 7 Konzerte im MusicStar, wie immer alle ohne Eintritt.

INTERVIEW mit Wofgang Sedlatschek

Wolfgang Sedlatschek, 500. Konzert im MusicStar! Als das MusicStar vor 15 Jahren mit den ersten 4 Veranstaltungen angefangen hat, war da so ein Erfolg abzusehen?

WS: Natürlich nicht und wenn ich ehrlich bin, glaube ich es auch heute noch nicht. Eine lange Zeit, die da vergangen ist, wir haben viele Freunde gefunden und leider auch schon eine ganze Reihe verloren. Auch daran merkt man, das die Zeit nicht stehen bleib.

Was hat sich geändert in den letzten 15 Jahren?

WS: Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Natürlich erst einmal die Ausstattung. Angefangen haben wir in einem Partykeller, wie man sich so etwas vorstellt, mit Fischernetz unter der Decke und Seesternen an der Wand. Heute haben wir eine professionelle Bühne, unsere Aufzeichnungen in Ton und Bild sind mittlerweile so gut, dass unser Material von den Bands ohne Nacharbeitung für eigene Produktionen verwendet werden kann. Demnächst erscheint auf Verve-Records eine DVD von Iain Matthews Live im MusicStar, das wäre vor 15 Jahren natürlich noch nicht gegangen.

Was noch?

WS: Seit 2007, da haben wir unsere erste DVD-Produktion für die Bet Williams Band gemacht, hat sich ein wirklich gutes Team gefunden. Wir zeichnen ja mit bis zu 6 Kameras auf, dafür braucht man aber auch ein vernünftiges Licht. Der Sound muss stimmen und irgendwer muss sich um das Geld kümmern, auch kein einfacher Job, die Leute mit dem Schwein in der Hand anzubetteln. Und natürlich das Sweeties, unser kleines Kaffee, das den Leuten eine Rückzugsmöglichkeit gibt, wenn es mal zu voll oder zu warm wird, oder wenn man mal einen Abend lieber klönen möchte, das alles ist heute zu einem Stück Zuhause für Viele geworden und das spürt man auch.

Das Schwein, eine Legende im MusicStar. Sie nehmen keinen Eintritt und sind doch wirtschaftlich erfolgreich mit diesem Konzept, wie geht das?

WS: (lacht) Wenn wir alles haben, eins sicher nicht: wirtschaftlichen Erfolg! Ich spiele nicht Golf, fahre keine S-Klasse und leiste mir nur alle paar Jahre eine neue Kopfbedeckung, nein, für Geld kann man so etwas nicht machen. Da darf man auch nicht drüber nachdenken. Wenn ich jedes Mal im Hinterkopf hätte, das wir mit der nächsten Band sicher wieder Minus machen, dann ginge das hier alles nicht! Aber wir haben ja Unterstützung von vielen Seiten. Da ist zum ersten der Verein, der mit seinen über 120 Mitgliedern dafür sorgt, dass wir uns weiter entwickeln können. Die Stadt Norderstedt, die uns als Kulturträger fördert, was uns sehr hilft und die Sponsoren, wie die Sparda-Bank zum Beispiel, die uns das Festival am See überhaupt erst ermöglicht. Und natürlich die Bands, die häufig genug auf einen Teil ihrer üblichen Gage verzichten müssen, wenn sie bei uns spielen wollen. Aber das ist ja gerade das Wunder: Die Bands kommen zu uns, weil sie verstanden haben, das wir Musik lieben und leben, das es hier nicht um Geld geht.

Und was sagen die Bands, wenn sie zum ersten Mal das doch sehr kleine MusicStar betreten?

WS: Ganz unterschiedlich. Einige denken sicher sofort an Flucht oder suchen die richtige Bühne, aber nach dem Konzert sind alle begeistert, besonders von unserem Publikum. Man muss wissen, die meisten unserer Künstler sind in USA, Kanada oder Australien bereits bekannt und können alle von der Musik leben. Die haben alle schon die Ochsentour durch die kleinen Klubs hinter sich, für die ist Europa auch manchmal wie eine Zeitreise. Und da bekommt man auch schon mal Komplimente, die man nicht falsch verstehen darf. „We love this lousy place“, wie es die Hussy Hicks gesagt haben hat aber wenigsten dazu geführt, das wir Backstage mal wieder aufgeräumt haben.

Zum Schluss, was bringt die Zukunft? Auch mal Weltstars, wie ihr Idol Neal Young?

WS: Träumen darf man ja weiter. Sollten wir mal einen dicken Fisch an der Angel haben, können wir ja jetzt ins Kulturwerk, das hilft. Aber im Ernst, das Konzept in Europa unbekannten Künstlern eine Bühne zu geben und das Ganze zu mischen mit gestandenen Bands, die unterschiedliche Stilrichtungen von Folk bis Blues, das hat sich bewährt. Das bleibt, da lass ich mir auch nicht reinreden. Freier Eintritt bei gern gesehenen Spenden ins Schwein, das bleibt. Und ich hoffe, dass die Menschen um mich herum es auch weiter mit mir aushalten. Ohne meine Familie, dem Team, den Menschen in dieser Stadt wäre das alles nicht möglich gewesen. Wenn das so bleibt, bleibt auch der MusicStar, peilen wir mal die 750 an.

Text und Interview: Mirco Berbig
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