407 Jobs in Gefahr

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LRS-Betriebsratsvorsitzender Klaus Kahlke sagt: „Die Stimmung unter den Kollegen ist gereizt.“ Foto: Fuchs
 
Norderstedts SPD-Fraktionschef Jürgen Lange. Foto: Fuchs

Lufthansa-Bereich soll aus Norderstedt abgezogen werden

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt. Die 407 Mitarbeiter der Lufthansa, die von Norderstedt aus für sechs Fluggesellschaften jedes Jahr 55 Millionen Flugtickets verarbeiten, bangen um ihre Jobs.
Seit Ende Oktober durch-
sickerte, dass dieser Konzernbereich weitgehend aus der Stadt abgezogen und in Billiglohnländer verlagert werden soll, „ist die Stimmung unter den Kollegen ausgesprochen gereizt“, sagt Betriebsratsvorsitzender Klaus Kahlke.
Bei einer Protestkundgebung vor der Betriebsstätte am Schützenwall erhielt die Belegschaft jetzt Unterstützung von den SPD-Politikern Jürgen Lange (Fraktionschef in Norderstedt) und Franz Thönnes (Bundestagsabgeordneter für den Kreis Segeberg).
„Wir wollen damit unsere Solidarität zeigen und deutlich machen, dass die betroffenen Arbeitnehmer mit ihren Sorgen nicht alleine sind“, begründete Thönnes dieses Engagement. Und Jürgen Lange fügte hinzu: „Letztendlich geht es möglicherweise sogar um den ganzen Standort der Lufthansa-Gesellschaften in Norderstedt.“ Dies wäre ein herber Rückschlag für die Stadt Norderstedt.
So rechnet der Betriebsratsvorsitzende Kahlke damit, dass etwa 300 Mitarbeiter der Lufthansa-Tochter Revenue Services (LRS) am Standort Norderstedt abgebaut werden sollen. 190 Vollzeitstellen wären das in etwa.
„Genaue Zahlen haben wir bis heute nicht von der Geschäftsleitung erfahren“, sagt Kahlke.
Wie viele Stellen genau gestrichen werden, wird in der Konzernzentrale in Frankfurt am Main entschieden. Zurzeit arbeiten noch etwa 800 Mitarbeiter der Lufthansa am Schützenwall. Neben der LRS-Ticketabfertigung für Passagierflugzeuge, die jetzt um ihre Jobs fürchtet, sind Teile der Frachtabwicklung (Lufthansa Cargo), der IT-Lösungen (Lufthansa Systems) und der Kantine (LZ Catering) in Norderstedt beheimatet. Wenn nun fast die Hälfte dieser Leute aus Norderstedt abgezogen würde, könnte das große gläserne Gebäude, direkt am Stadtpark gelegen, nicht mehr rentabel genug sein. Mögliche Folge wäre: Lufthansa verabschiedet sich ganz aus Norderstedt. Für dieses Worst-Case-Szenario gibt es aus Sicht von Betriebsratschef Kahlke durchaus Belege: „Anfang der 1990er Jahren arbeiteten hier mal 1200 Leute der Lufthansa für die LRS, der auch das Gebäude gehört.“ Nach Auffassung der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di sind die angestrebten Einsparungen der Lufthansa mehr als zweifelhaft. Fast zwei Drittel der LRS-Arbeitnehmer seien seit über 15 Jahren im Lufthansa-Konzern beschäftigt. Der Schutz bestehender Tarifverträge beinhalte, dass hier keine ordentlichen betriebsbedingten Kündigungen möglich sind. Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber sagt: „Der Standort Norderstedt steht auf dem Prüfstand. Es ist aber noch nichts entschieden.“ Die Entscheidung falle im ersten Vierteljahr 2013. Lufthansa prüfe, ob 700 Mitarbeiter aus deutschen Standorten ins Ausland verlagert werden sollen.
Der ehemalige Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der Europa-Union, Manfred Ritzek, sagt: „Es ist unverantwortlich, qualifizierte Mitarbeiter zu entlassen.“ (bf)
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