407 Stellen gestrichen

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400 Mitarbeiter der Lufthansa-Ticketabfertigung verlieren bis 2017 ihre Jobs: Vergangenen Mittwoch demonstrierten sie vor ihrer Betriebsstätte in Norderstedt. Foto: Fuchs

Schwarzer Tag für Mitarbeiter der Lufthansa-Ticketabfertigung

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt. Sie erfuhren es per E-Mail, so sollten
sie wohl vorbereitet sein. Bereits in der Nacht vor der Betriebsversammlung vergangenen Mittwoch erfuhren die 407 Mitarbeiter des Lufthansa-Revenue-Services (LRS) von ihrer Kündigung.
Kurz zuvor wurde im Frankfurter Mutterhaus beschlossen, die Tochterfirma am Standort Norderstedt bis spätestens 2017 aufzulösen. Die Ticketbearbeitung für Passagierflugzeuge wird ins Ausland verlagert. Schon seit Oktober bangten
die LRS-Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze, ein großer Teil der Belegschaft ist dort seit Jahrzehnten beschäftigt. Zunächst war von einem Stellenabbau von 300 Mitarbeitern die Rede. Doch nun kommt das totale Aus.

Protest-Demo

„Ich bin bitter enttäuscht“, sagte Betriebsratsvorsitzender Klaus Kahlke vor der Betriebsversammlung. Auf dieser teilte Lufthansa-Finanzvorstand Simone Menne den Beschäftigten die Unternehmensentscheidung offiziell mit. Nur wenige Minuten konnte die Vorstandsfrau sprechen, dann verließen, laut Betriebsratschef, 300 Mitarbeiter den
Versammlungsraum. „Wir sind zu teuer“, stellte Klaus Kahlke fest. Aus Protest demonstrierten Kahlke und seine Kollegen anschließend mit Transparenten und Trillerpfeifen vor dem Gebäude am Schützenwall.
407 Stellen werden bei der Lufthansa-Ticketbearbeitung, mit Sitz am Schützenwall, gestrichen. Nach Bekanntgabe der Nachricht gingen Hunderte auf die Straße.
Klar, dass Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote und Vertreter weiterer Fraktionen (SPD, CDU, FDP und Die Linke) vorbei kamen, um den Mitarbeitern ihre Solidarität zu zeigen. „Hier geht es nicht nur um 400 Mitarbeiter“, sagte Grote. „Dies sind auch unsere Mitbürger mit Familien, Kindern und sozialem Umfeld. Die ganze Stadt ist betroffen.“
SPD-Fraktionschef Jürgen Lange: „Das ist unerhört. Die Mitarbeiter haben gespart und Gewinne erzielt. Jetzt werden sie entlassen.“ Der Lufthansa ginge es nur um Gewinn-Maximierung, da waren sich die Vertreter SPD und CDU einig.
„Das ist ein schwarzer Tag für die Beschäftigten“, sagte Almut Auerbach, „verdi“-Bezirksgeschäftsführerin.
Mit einer sozialverträglichen Regelung des Stellenabbaus bis 2025 hätten laut Kahlke viele Mitarbeiter mit Vorruhestandsregelungen abgefunden werden können. Grote: „Ich hätte mir eine Entscheidung gewünscht, die die Mitarbeiter hier vor Ort mit einbezieht.“
Jetzt, da bald die Hälfte aller 800 Beschäftigten aus dem Lufthansa-Gebäude verschwunden sein wird, fürchtet Grote, dass der gesamte Lufthansa-Standort in Norderstedt in Gefahr ist. (bf)
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