ADFC kritisiert Straßenführung am neuen Ochsenzoll

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Rolf Jungbluth vom ADFC steht am Übergang, den Radler nutzen sollen, um den Kreisel Ochsenzoll zu überqueren. Diese Lösung findet der Norderstedter sinnlos, er fordert den Bau von Radwegen
 
Thomas Bosse findet, es zumutbar, dass Radfahrer am Kreisel den Zebrastreifen nutzen Foto: bf

ADFC kritisiert Straßenführung am neuen Ochsenzoll

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt. 15 Millionen Euro hat die Stadt mit Bundes- und Landesmitteln für die Ochsenzoll-Kreuzung mit zweispurigem Kreisel und Tunnelbauwerk in Nord-Süd-Richtung ausgegeben, die jetzt Anfang November nach fast fünf Jahren Bauzeit eingeweiht wurde. Aber ein Radweg ist nicht angelegt worden, wie jetzt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Norderstedt moniert.
„Dieser Kreisel ist für die Fahrradstadt Norderstedt eine Schande“, ärgert sich Norderstedts
ADFC-Sprecher Rolf Jungbluth. „Wir fordern die Stadt auf, unverzüglich einen Radweg an dieser viel befahrenen Kreuzung einzurichten.“
Baudezernent Thomas Bosse kontert, der Kreisel sei keineswegs verkehrswidrig. Auch am Lübecker Holstentor gebe es einen Kreisverkehr ohne Radwege drum herum, argumentiert Thomas Bosse. Es sei den Radfahrern zuzumuten, an dieser Kreuzung, ob sie von der Segeberger Chaussee oder der Schleswig-Holstein-Straße kommen, vom Rad abzusteigen und es über den Zebrastreifen zu schieben. Allein aus Sicherheitsgründen sei dies geboten, weil hier täglich bis zu 40.000 Fahrzeuge entlangfahren würden.
Etwa 60 Radfahrer folgten am vergangenen Wochenende dem Aufruf des ADFC und radelten auf dem Kreisverkehr Ochsenzoll über die Fahrbahn. Damit wollten sie gegen die in ihren Augen missratene Planung des Kreisels hinweisen. Die Polizei zeigte sich bei der Aktion tolerant, verwies jedoch darauf, dass Radlern das Fahren auf der Straße untersagt ist.
Ein Radweg sei aus Sicherheitsgründen für die Zweiradfahrer nicht vorgesehen, sagt auch SPD-Fraktionsvorsitzender Jürgen Lange. „Es ist den Radfahrern durchaus zuzumuten, hier abzusteigen und das Rad zu schieben.“ Lange begleitete von Anfang an als Vorsitzender des Fachausschusses die Planung dieser Mega-Kreuzung. „Der Kreisel am Ochsenzoll ist so gebaut worden wie geplant“, sagt er.
Doch ADFC-Sprecher Jungbluth will das nicht gelten lassen. Der 71-Jährige, der ausschließlich mit Rad, Bahn und Bus unterwegs ist, sagt: „An diesem Kreisel ist ein Radweg unbedingt erforderlich.“ Kein Radfahrer würde hier absteigen, sondern sich in den Kreisverkehr zwischen die Autos mogeln, gibt er zu bedenken. „Muss denn erst ein Unfall passieren, damit die Stadtplaner ein Einsehen haben“, fragt Jungbluth und fordert zugleich ein Tempolimit von 30 km/h für Pkw rund um die Kreuzung.
Dass die Stadt den Kreisel ohne Radweg baute, habe der ADFC erst wenige Tage vor der Freigabe dieser größten Kreuzung Norderstedts für den Verkehr Anfang November festgestellt. Sonst hätte er längst seine Bedenken geäußert und Einspruch erhoben, sagt Jungbluth.
„Weil uns Baudezernent Bosse immer zugesagt hat, dass dort ein Radweg geplant ist, gingen wir bis zuletzt davon aus, dass dieser auch gebaut wird.“ Und da es in alle vier Richtungen mehrere Abzweigungen vom Kreisel gibt und diese erst zum Schluss nur für den Autoverkehr gekennzeichnet worden seien, habe der Fahrradclub diese radweglose Planung erst so spät entdecken können.
„Diese Fehlplanung an der Ochsenzoll-Kreuzung ist ein schwerer Rückschlag und Imageschaden für die Stadt“, sagt Jungbluth. (bf)
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