Am Telefon für Alzheimer-Angehörige da

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Jürgen Schildt hilft Alzheimer-Angehörigen am Telefon Foto: blu

Jürgen Schildt kennt die Krankheit aus der Familie und gibt Informationen

Norderstedt „Präsenile Demenz Typ Alzheimer“ lautete die Diagnose, die Ulrike Schildt Anfang 2003 erhielt – mit gerade einmal 55 Jahren. „Für uns brach eine Welt zusammen, wir fielen in ein schwarzes Loch. Meine Frau stellte zeitweise das Reden ein“, erinnert sich Jürgen Schildt. „Ich habe ihre Krankheit dann als meine Aufgabe angesehen, sie zunächst zu unterstützen, später auch zu pflegen, einen Heimplatz zu finden und ihr vor allem immer wieder Freude zu bereiten – die schönste Bestätigung meines Tuns war ihr Lächeln“, erzählt der Norderstedter, der seine Frau vor gut einem Jahr verlor.
Mit 58 Jahren gab er seinen Job auf und wählte statt dessen im Übergang zur Rente Altersteilzeit. „Ganz wichtig war, die Krankheit zu akzeptieren und die Bedürfnisse meiner Frau nicht durch die eigene Brille zu betrachten, sondern mit ihrem Blick. Und vor allem: sich informieren, Hilfe suchen und annehmen.“
Große Unterstützung erhielt der heute 70-Jährige vor allem von der Alzheimer Gesellschaft Norderstedt-Segeberg e.V. Nun möchte er sie in innovativer Form zurückgeben. Seit Jahresbeginn bietet er ehrenamtlich jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr eine telefonische Sprechstunde an (040/528 83 831), bei der Angehörige von Demenzkrankten aus der Erfahrung eines selbst Betroffenen schöpfen und sich informieren können. „Ich bin kein Psychologe oder Rechtsberater“, sagt Jürgen Schildt vorsichtshalber, aber handfeste Tipps für den Umgang mit dem Erkrankten einschließlich des Gebrauchs kleiner „Notlügen“ bis zu Entlastungshilfen wie Kurzzeitpflege oder betreutem Urlaub hat er für Ratsuchende parat.
„Ich habe das ganze Spektrum durchgemacht, vom anfänglichen Verdrängen über das Organisieren eines Pflegedienstes, Beantragung der Pflegestufen und Freizeitgestaltung bis zu wichtigen Auszeiten, um selber wieder Kraft zu schöpfen. Ich habe erlebt, wie belastend die Begleitung eines Menschen mit Demenz sein kann und damit persönliche Grenzen erreicht.
Darum wünsche ich allen Betroffenen Geduld und Kraft – und bevor Situationen aus dem Ruder geraten oder Angehörige hinterher ein schlechtes Gewissen haben, rufen Sie mich gerne an“, lädt der quirlige Senior ein.
Ulrich Mildenberger, Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft ist glücklich über die tatkräftige Unterstützung: „Neben unseren professionellen Mitarbeitern können wir im Kreis auf 80 Ehrenamtliche zurückgreifen, die wöchentlich in Familien kommen, um Angehörige zu entlasten, aber diese Form der Telefonbetreuung ist für uns neu – und wird bereits sehr gut angenommen.“ (blu)

Jürgen Schildt ist jeden Dienstagvormittag in der Alzheimer Gesellschaft unter 040/528 83 831 zu erreichen. Außerhalb der Zeit läuft ein Anrufbeantworter.
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