Angela Merkel flog mal kurz in Norderstedt ein

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Kanzlerin Angela Merkel flog für eine Stunde in Norderstedt ein und warb für Spitzenkandidat Jost de Jager und Direktkandidatin Katja Rathje-Hoffmann.
 
Störten kurz den Auftritt der Kanzlerin, bis sie von Ordnern aus dem Stadtpark geleitet wurde: die Occupy-Gruppe aus Hamburg.Fotos: Fuchs

Rund 3000 Menschen im Stadtpark wollten die Kanzlerin sehen

Norderstedt. Endspurt im Landtagswahlkampf. In Norderstedt hat die CDU das Sagen. Also durfte Kanzlerin Angela Merkel einen Tag vor dem offiziellen Eröffnungstermin den neuen Stadtpark einweihen. Sozusagen als Geburtstagsgruß für Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote, der an diesem Abend seinen 57. Ehrentag feierte. Und so gratulierte die Kanzlerin auf der Bühne als erstes dem Gastgeber Grote zum Geburtstag.
Merkel kam direkt aus Heide mit dem Hubschrauber. Dort hatte man ihr „ein Kilo Schlick“ geschenkt und ein Buch über die 125-jährige Geschichte des Nord-Ostsee-Kanals. Später sollte ihr die Norderstedter Kandidatin Katja Rathje-Hoffmann bedruckte Schokolade überreichen. Das Schlick-Präsent baute Merkel in ihrer 25-minütigen Rede ein. „Wir haben ja keine Bodenschätze in Deutschland. Ich habe heute ein Kilo Watt-Schlick gekriegt. Unser Schatz sind die Menschen, die wir deshalb gut ausbilden müssen“, sagte sie und die rund 3000 Leute im Norderstedter Stadtpark lachten zum ersten Mal. Ob die Schokolade auch für ein Bonmot reichte?
Merkel war überpünktlich. Mit Schlager und Shanties hatte Kreisgeschäftsführer Uwe „Vossi“ Voss das Publikum in Stimmung gebracht. Es war in drei Klassen eingeteilt. Ganz vorne, aber mit einem Abstand von drei Metern zum Podium durfte die Presse Fotos schießen, die sich zuvor beim Landesverband zu akkreditieren hatte. Den Logenplatz dahinter hatten die CDU-VIPs mit OB Grote, Abgeordneten, Stadtvertretern, Parteifreunden. Und dahinter saß das Volk. Dann plötzlich Stille und Marschmusik. „Sie kommt“, raunten die Leute und reckten die Köpfe. Aber es war nur ein kleines Knäuel mit kräftigen, dunkel gekleideten Herren zu sehen, das im Stechschritt Richtung Bühne lief. Endlich war auch Merkel hinter ihren Bodyguards zu erkennen, direkt dahinter folgte Spitzenkandidat Jost de Jager.
Der sprach dann auch als erster. Von Schuldenabbau und Schulfrieden. Wie überall. Wie auch am Vormittag in der Kreisstadt. Das sollte ihm zum Verhängnis werden. Als er Rathje-Hoffmann vorstellte, bezeichnete er sie als die Kandidatin „hier in Bad Segeberg“. Unruhiges Geraune und Getuschel auf der Bühne und im Publikum und de Jager bemerkte seinen Fehler. „Ich war heute schon in Bad Segeberg. Das kann man schon mal verwechseln.“
Merkel schaute währenddessen irgendwie unbeteiligt in die Runde. Mal wirkte sie nachdenklich und müde, dann schmunzelte sie plötzlich wie auf Knopfdruck. Sie schien gar nicht wahrzunehmen, was de Jager sagte. Und ihr Mienenspiel verriet, dass es sie auch nicht sonderlich interessierte. Und doch war sie immer die erste, die in einer Redepause artig klatschte und so alle zum Mitklatschen animierte. Sie diktierte jederzeit das Geschehen auf der Bühne.
Sie kann auch hart sein. Als ein kleines Grüppchen maskierter Jugendlicher von der Hamburger Occupy-Bewegung Transparente hochhielt und ein kleines Pamphlet skandierte („Sie sind eine Marionette der Wirtschaft und nicht eine Dienerin des Volkes“), wurde die Kanzlerin plötzlich ganz streng. Die Deutschen könnten glücklich sein, in welch „wunderschönem Land“ sie lebten. Da herrsche Meinungs- und Demonstrationsfreiheit, da dürfe man auch solche Plakate in die Luft halten, sagte Merkel, während Ordner die Störer nach draußen geleiteten. Vor 100 Jahren standen uns noch zwei Weltkriege bevor. Um dieses gute Schicksal für die Zukunft zu bewahren, müsse aber die Regel gelten: „Wer arbeiten kann, muss arbeiten. Und wer arbeitet, muss auch mehr Geld bekommen als jemand, der nicht arbeitet.“
Dann trat sie von der Bühne und stieg dahinter in die bereit stehende gepanzerte Limousine. Nach genau einer Stunde war alles vorbei. (bf)
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