Beratungsstelle für Flüchtlinge

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Migrationsberaterin Gisela Nuguid und Martin Link vom Flüchtlingsrat des Diakonischen Werkes, das jetzt seit 20 Jahren in Norderstedt besteht. Foto: Fuchs

Einrichtung der Diakonie feiert 20-jähriges Bestehen

Von Burkhard Fuchs

Norderstedt. Die Anschläge auf Asylsuchende in Solingen und Hoyarswerder waren damals der Auslöser für diese Einrichtung. Nun besteht die Beratungsstelle für Flüchtlinge in der Diakonie, die der damalige Kirchenkreis Niendorf gegründet hat, in Norderstedt seit genau 20 Jahren. Heute befindet sich die Flüchtlings- und Migrationsarbeit in der Trägerschaft des Diakonischen Werkes Hamburg-West/Südholstein.

Erstes Kirchenasyl

Leiter Martin Link erinnert sich an die Anfangszeit: „Ein erstes Kirchenasyl in der Norderstedter Schalom-Kirche endete damals für alle Beteiligten unbefriedigend. Und der Schock über rassistische Gewaltakte in Hoyarswerder und Solingen saß noch tief.“ Als dann in Norderstedt 1992 ebenfalls ein Brandanschlag eine noch nicht bezogene Flüchtlingsunterkunft zerstörte, beschloss die Kirchensynode, diese Flüchtlingshilfe vor Ort ins Leben zu rufen. In einigen benachbarten Kirchengemeinden entstanden Behelfsunterkünfte, in die Flüchtlinge aus Bosnien, Afghanistan, dem Irak, der Türkei und afrikanischen Ländern wie Togo, Angola und dem Sudan einzogen. Das zunächst auf fünf Jahre befristete Projekt verlängerte die Synode 1997 mit der Begründung, dass „die Beratung und Begleitung von Flüchtlingen, der Aufbau und die Begleitung von ehrenamtlichen Freundeskreisen und die parteinehmende Öffentlichkeitsarbeit im Zentrum des christlichen Auftrages stehen“. Inzwischen hat die Norderstedter Beratungsstelle eine unbefristete Perspektive, erhält für verschiedene Projekte Fördergelder von Bund, Land, Stadt und EU. „Auch die Politik erkennt heute ohne Umschweife und semantische Verbiegungen an, dass Schleswig-Holstein sich zu einem Einwanderungsland entwickelt hat“, verweist Link auf eine entsprechende Erklärung des Kieler Innenministers Andreas Breitner vor einigen Wochen. Das tägliche Brot der Migrationssozialberatung sei es nach wie vor, Flüchtlingen und Migranten kompetente Unterstützung bei der Durchsetzung ihrer asyl- und ausländerrechtlicher Anliegen oder in sozialen Bedarfslagen zu geben. Link: „Regelmäßig geht es um Wohnungssuche, Hilfen bei der Integration in den Arbeitsmarkt und die Unterstützung gegenüber Behörden und anderen öffentlichen Stellen.“ Es würde nach „Kirchenasylen“ gefragt. Und seine Kolleginnen Ellen Siebert und Swetlana Fregin würden um Hilfe bei einer Familienzusammenführung oder um Intervention bei familiären Konflikten gebeten.

Ort des Vertrauens

„Die Ratsuchenden fühlen sich bisweilen in einem Labyrinth aus Paragraphen und einem Gewirr an sie gestellter Anforderungen gefangen und verstehen die kirchliche Beratungsstelle als Ort ihres Vertrauens und Orientierung gebende Institution“, erklärt Link.
Die Motivation von Menschen, gleich welcher Herkunft oder Nationalität, sich im lokalen Raum gemeinsam für das Gemeinwesen zu engagieren, hat im Laufe der Jahre zugenommen, freut sich der Flüchtlingshelfer. Seit fünf Jahren begleite sein Team eine Initiative von zugewanderten und schon lange in Norderstedt lebenden Menschen, die sich für einen Interkulturellen Garten stark machen. Die Anfänge dazu sind jetzt auf dem Gelände des Stadtparks Norderstedt gemacht.
Die Arbeit der Flüchtlingsberatung gründe auf der Überzeugung, dass jedes Individuum eine vorbehaltlos zugesprochene und unantastbare Würde besitzt, so Link. „Dennoch spüren wir, dass bei allem Fortschritt Ängste und Besorgnisse nicht weniger geworden sind“, sagt Link. „Viele sind noch immer verunsichert über die im Vorjahr aufgedeckte bundesweite Attentatsserie auf Migranten.“ (bf)
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