Berufsperspektiven für Geflüchtete

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Marlies Rathsack von der Arbeitsagentur in Norderstedt: „In meinem Netzwerk geht keiner verloren“ Foto: Blume

Norderstedts Berufsberaterin Marlies Rathsack unterstützt und berät Menschen mit Migrationshintergrund

Von Claudia Blume
Norderstedt
Marlies Rathsack ist für junge Flüchtlinge wie Karim, Jamal und Dalia ein Synonym für berufliche Zukunft in Deutschland. Seit acht Jahren ist sie Migrationsbeauftragte der Bundesagentur für Arbeit im Kreis Segeberg, seit 2015 auch Norderstedts Berufsberaterin für Flüchtlinge unter 25 Jahren. Sie betreut rund 350 Menschen mit Migrationshintergrund, stellt Weichen für den beruflichen Werdegang, vermittelt Sprach- und Integrationskurse, berät über anzustrebende Schulabschlüsse, organisiert Praktikums- und Ausbildungsstellen. „Oft sind viele kleine Schritte nötig, um ein Ziel zu erreichen, aber mein großes Netzwerk funktioniert“, sagt die 35-Jährige. Wenn es nach den Wünschen vieler Geflüchteter ginge, würden sie als Kfz-Mechaniker, Zahntechniker, Ärzte, Friseure und Köche arbeiten – denn das sind die beliebtesten und angesehensten Berufsbilder junger Männer. Junge Frauen möchten als Zahnärztin, Krankenschwester oder Ingenieurin Geld verdienen. In ihrer wöchentlichen Sprechstunde im Berufsbildungszentrum (BBZ) steht Marlies Rathsack auch rund 200 Schülern des DaZ-Zentrums (Deutsch als Zweitsprache) mit Rat und Tat zur Seite.

Junge Frauen profitieren

„Vor allem freue ich mich über junge Frauen, die von Gespräch zu Gespräch selbstsicherer werden. Oft haben sie zum ersten Mal in ihrem Leben die Wahl, was sie machen möchten und müssen nicht der elterlichen Bestimmung folgen. Immer wieder staune ich über die große Motivation. Viele junge Flüchtlinge möchten am liebsten nachmittags nach Schulschluss noch arbeiten gehen“, erzählt die Berufsberaterin. Doch erst muss Deutsch gepaukt werden, denn um Arbeitsabläufe verstehen und folgen zu können, ist mindestens Sprachniveau B2 nötig. Ehrgeiz und Zuverlässigkeit imponieren auch potenziellen Arbeitgebern. „Die Nachfrage nach Praktikanten und Azubis mit Fluchthintergrund steigt“, weiß Marlies Rathsack. Vor allem im Handwerk, in Gastronomie, Altenpflege sowie Groß- und Außenhandel wird händeringend Personal gesucht. So kann nach einem dreimonatigen Berufsorientierungspraktikum eine Einstiegsqualifikation als einjährige „Lehre auf Probe“ folgen, die dem ersten Lehrjahr gleicht. „Im vergangenen Jahr sind viele Gesetze vereinfacht und Hemmnisse abgebaut worden“, weiß die Expertin. So ist seit August die Vorrangprüfung außer Kraft, nach der zunächst EU-Bewerber für einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz gesucht werden mussten.

Erfolgreich vermittelt

Gerade hat Marlies Rathsack drei Syrer erfolgreich als Fliesenleger- und Maurerlehrlinge vermittelt. Und: Künftig können Firmen über die Online-Jobbörse der Arbeitsagentur Praktika-Stellen als ausschließlich für Geflüchtete markieren. 2016 waren rund 500 Flüchtlinge in Norderstedt als arbeitssuchend gemeldet – davon waren zwei Drittel in Qualifizierungsmaßnahmen. „Wichtig ist, von Anfang an nachhaltig zu schulen und die Menschen nicht kurzfristig als Handlanger unterzubringen, denn damit sehen wir sie später im Jobcenter als Sozialhilfeempfänger wieder.“
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