Bürgerinitiative Bahnstraße kritisiert S21-Plan

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Markus Spiering (links) und Matthias Frenzel stehen an der Stelle, wo ab 2020 die S-Bahn durch ihren Vorgarten in Ellerau rauschen soll Foto: Fuchs

Gutachten: Vorhaben unwirtschaftlich

Norderstedt Die Bürgerinitiative (BI) Bahnstraße kritisiert die geplante Elektrifizierung der AKN-Bahnstrecke von Kaltenkirchen nach Eidelstedt als volkswirtschaftlich und ökologisch sinnlos. Das hat ein von der BI für 5.000 Euro in Auftrag gegebenes Gegengutachten ergeben. „In der vorliegenden Form darf die S21 Hamburg – Kaltenkirchen weder mit Bundes- noch mit Landesmitteln bezuschusst werden“, heißt es in der Expertise des Verkehrsplanungsbüros Vieregg-Rössler aus München, das sich seit 25 Jahren vor allem in Bayern mit Bahnprojekten beschäftigt. In dem Papier wird die standardisierte Berechnung der Firma Intraplan Consult, ebenfalls aus München, in Frage gestellt, die Grundlage für das länderübergreifende 100-Millionen-Euro-Investitionsprojekt ist. Insbesondere die künftigen Betriebskosten und der CO-2-Ausstoß seien als viel zu niedrig angegeben. Das Büro Intraplan kam in seiner Analyse im Oktober 2014 zu dem Schluss, dass der Nutzen-Kosten-Faktor sich lohne, wenn künftig die S-Bahn diese AKN-Strecke bediente und die Fahrgäste aus Richtung Quickborn nicht mehr in Eidelstedt umsteigen müssten. Die Reisezeit verkürze sich um fünf Minuten je Fahrt, die Zahl der Fahrgäste verdoppele sich zum Teil, das unbequeme Umsteigen in die S-Bahn in Eidelstedt entfalle. Sogar Autofahrten und Unfallzahlen würden sinken, wurde prognostiziert. Das Gegengutachten besagt, dass die Betriebs- und Verkehrskosten und damit auch der CO-2-Ausstoß beim S-Bahnbetrieb viel höher ist als angenommen. „Dieses S21-Projekt ist unwirtschaftlich, umweltschädlich und nicht zukunftsfähig“, fasst Florian Börner von der BI Bahnstraße das Ergebnis dieser Studie zusammen. „Es darf auf keinen Fall aus Steuermitteln bezuschusst werden.“ Die BI Bahnstraße hatte sich im August 2015 gegründet, als bekannt wurde, dass wegen des noch fehlenden zweigleisigen Ausbaus zwischen den Haltestellen Tanneneck und Ellerau etwa 30 Eigentümer am Hamburger Weg erhebliche Teile ihrer Grundstücke für das zweite Gleis hergeben müssten. Im extremsten Fall wären die Häuser nur noch fünf Meter vom zwei Meter hohen Lärmschutzwall entfernt, hinter dem dann die S-Bahn mit den Stromoberleitungen vorbeirauschen würde, erklärt BI-Gründer Markus Spiering. (bf)
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