Burgfrieden gebrochen

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Burgfrieden 2010: Ex-Bürgermeisters Torsten Thormählen (Mitte), Folker Brocks (CDU), Klaus-Peter Eberhard (FDP), Horst Ostwald (SPD), Karin Honerlah/WHU (v. l.)Foto: rj
Henstedt-Ulzburg. Am 26. Mai 2013 ist der Tag der Entscheidung. Dann finden in Schleswig-Holstein die nächsten Kommunalwahlen statt. Für Henstedt-Ulzburg bedeutet das: Wer zieht dann in die neue Gemeindevertretung, der zur Zeit 32 Mitglieder angehören, ein?
Neun Monate vor diesem Termin hat der Wahlkampf im mit 28.000 Einwohnern größten Dorf des nördlichsten Bundeslandes ohne Stadtrecht längst begonnen. Das wurde auf der ersten Gemeindevertretersitzung nach der Sommerpause im Ratssaal deutlich. Heiße Gefechte lieferte sich Karin Honerlah, die Fraktionsvorsitzende der Wählergemeinschaft WHU, mit Folker Brocks von der CDU und mit Thile Abel von der neue Wählergemeinschaft „Bürger für Bürger“ (BfB).
Karin Honerlah hatte den Kreisprüfungsbericht über die Henstedt-Ulzburger Haushaltsjahre 2004 bis 2008 sowie auch den vorangegangenen Prüfbericht, in dem Hinweise des Innenministeriums zur Bekämpfung der Korruption thematisiert worden waren, auf der WHU-Homepage veröffentlicht. Die amtierende Bürgermeisterin Elisabeth von Bressensdorf wehrt sich dagegen, sie will den 200 Seiten starken Bericht aus Datenschutzgründen nicht ins Netz stellen und verweist auf eine mögliche Einsichtnahme im Rathaus.
„Frau Honerlah denkt nur an die nächste Wahl“, wetterte CDU-Fraktionsvorsitzender Folker Brocks. „Privatfehden sind der Sache nicht förderlich.“ Auch Amtskollege Thile Abel reagierte aufgebracht: „Die nächste Wahl ist erst im Mai 2013, Frau Honerlah!“ Die gelernte Juristin, die an den Vergabepraxen von Aufträgen in der Gemeinde Kritik übte, will den Bericht auf der Homepage belassen. Klaus-Peter Eberhard von der CDU mischte sich ein, als das Thema „Presserecht“ auf den Tisch kam. „Sie, liebe Frau von Bressensdorf, halten es offensichtlich eher mit Ex-Bundespräsident Christian Wulff“, sagte er. „Tun sie der Gemeinde den Gefallen und ziehen Sie die gleichen Konsequenzen.“ Die Bürgermeisterin („Die Verwaltung hat freie Auswahl bei der Einladung von Presseorganen“) hat Streit mit dem Reporter eines Internet-Portals, wollte ihn künftig nicht mehr bei Pressegesprächen im Rathaus dabei haben. Er habe unrichtig oder gar nicht berichtet. Jetzt, auch nach einem Gespräch mit Bürgervorsteher Carsten Schäfer, kam die Kehrtwendung: Der Reporter dürfe „bis auf Weiteres“ wieder dabei sein. Entschuldigt hat sich die Bürgermeisterin nicht. (rj)
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