Café Einmahlig muss schließen

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Die Café-Mitarbeiterinnen Regina (v.l.) und Annelie vor der Tür zum Café Einmahlig Foto: now
 
Karin Wenckstern im Café beim Mittagessen. „Bald koche ich eben wieder selbst“, sagt die 75-Jährige Foto: now

Diakonie beendet den Betrieb zum Monatsende. Mitarbeiter werden in Gemeinde-Kitas eingesetzt

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt
Am 30. Juni ist Schluss: Nach elf Jahren schließt das Café Einmahlig im Kirchenzentrum Falkenberg. Gunnar Urbach, früherer Kirchenpastor, konzipierte das Café in den hellen Räumen des Kirchenzentrums als Treffpunkt, gleichzeitig sollten im Einmahlig Beschäftigte die Chance für einen Widereinstieg in den Arbeitsmarkt bekommen. Gäste erhalten montags bis freitags ein frischgekochtes Menü mit Salat und Nachtisch für 6,90 Euro. Viele Freundschaften wurden hier geschlossen, ganze Freundeskreise fanden sich, wie Karin Wenckstern als langjährige Besucherin erzählt. „Nach kurzer Zeit waren wir immer zu siebt am gemeinsamen Tisch, aber jetzt bin ich alleine übrig“, sagt die 75-jährige etwas traurig.

Das Café machte Defizit


Zwischen zehn und 30 Essen pro Tag gingen über den kleinen Tresen, für ein wirtschaftliches Arbeiten hätten es mindestens 40 Essen sein müssen. Doch zum einen kamen nicht so viele Gäste, zum anderen war die Küche dafür eigentlich viel zu klein. „Eine Quadratur des Kreises“, meint Annelie Urbach, seit dem ersten Tag in der Küche und im Service des Cafés. Schön sei die selbständige Arbeit hier gewesen, meint sie. Doch die zeitliche Belastung oft auch über der Grenze des Zumutbaren hinaus.
Vor dreieinhalb Jahren übernahm das Diakonische Werk als Träger das Café, Kirchengemeinde und Diakonie investierten jährlich insgesamt 16.000 Euro. Den Rest sollte das Café selbst erwirtschaften. Mit den täglichen Essen und vielen Veranstaltungen fehlten trotzdem am Ende des Jahres rund 10.000 Euro. Und dass, obwohl die Mitarbeiter einen großen Teil der Arbeit ehrenamtlich machten, wie Tabea Müller, seit der Übernahme durch die Diakonie Leiterin des Einmahlig, sagt. Viele Veranstaltungen bot auch der Verein Treffpunkt Falkenberg gemeinsam mit dem Café an, unterstützte die Einrichtung mit den Einnahmen. Auch Pastorin Maren von der Heyde, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Hamburg-West/Südholstein sagt zur Schließung: „Es waren nicht die wirtschaftlichen Gründe allein. Wir haben gemerkt, dass das Restaurant mehr ehrenamtliche Ressourcen verbraucht als vertretbar.“
Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation hatte die Diakonie das Café länger betrieben, als ursprünglich vereinbart, als Begegnungsort sei es „einfach Klasse“ wie von der Heyde sagt. Der Druck auf die Mitarbeiter sei einfach zu groß geworden. Deshalb habe man sich nach Gesprächen mit Gemeinde und Mitarbeitern schweren Herzens zur Schließung entschlossen. Für alle festen Mitarbeiter haben sich Stellen in umliegenden Kindertagesstätten des Kirchenkreises gefunden. Auch Annelie Urbach freut sich auf die Arbeit mit den Kindern: „Ich war schon dort und es war sehr schön.“

Räumlichkeiten werden anders genutzt


Was mit den Räumen, die mit Kamin und Südfenstern zu den schönsten des Kirchenzentrums zählen, passiert, steht noch nicht fest. Pastor Christian Wollmann will erst einmal Ruhe einkehren lassen und dann gemeinsam mit Gemeindemitgliedern Ideen entwickeln. „Der Raum soll auch weiter ein Ort der Begegnung sein“, verspricht er. „Ein warmes Mittagessen ist dafür ja nicht unbedingt nötig.“
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