Cafés für neue Norderstedter

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Brigitte Seidel übt mit Mustafa aus Syrien Foto: blu

Kirchengemeinden öffnen Anlaufstellen für Migranten. Entspannte Momente und Deutsch-Hilfe

Von Claudia Blume
Norderstedt
Die Mikadostäbchen fliegen über den Tisch im Kirchencafé der Falkenberg-Gemeinde. Khalid zieht behutsam ein Hölzchen aus dem Wirrwarr und schaut Allheide Schulz fragend an. „Drei“, sagt die Norderstedterin und deutet auf die Ringe auf dem Stäbchen. Khalid nickt und schreibt die Zahl auf. Der 28-Jährige lebt seit einigen Wochen auf dem Gemeindegelände – zusammen mit 15 weiteren syrischen Flüchtlingen. Jeden Mittwoch kommen die jungen Männer ins Kirchencafé zum Treffen und Spielen bei Kaffee, Tee und Keksen. Ein paar Stunden nicht an die ungewisse Zukunft denken, ein wenig Spaß und Freude haben – ein kleine Auszeit für sie. Bereits drei Kirchengemeinden in Norderstedt bieten solche Migranten-Cafés an. Neben der Freien evangelischen Gemeinde am Adlerkamp als Pionier folgte im Dezember die Falkenberg-Kirche; seit Januar ist auch die Paul-Gerhard-Kirche mit dabei. Hartmut Rothfritz, einer der Organisatoren in Harksheide, der sich auch im Willkommensteam engagiert, freut sich über viele tatkräftige Ehrenamtliche – darunter nicht nur Gemeindemitglieder - die mitmachen. So wie Allheide Schulz. „Das Elend in den Nachrichten zu sehen und zu hören, macht mich unendlich traurig. Und da ich nicht viel spenden kann, gebe ich etwas von meiner Zeit“, sagt die Seniorin, die inzwischen mit Hassan und Khalid Mensch-ärgere-dich-nicht spielt. „Ein lustiges Spiel, bei dem man sich auch ohne gemeinsame Sprache versteht“, freut sich die weitgereiste Rentnerin. Über 300 Flüchtlinge leben derzeit in Norderstedt und nutzen diese Migrantencafés als Anlaufstellen. Einer von ihnen ist Mustafa. Der Syrer ist gelernter Koch und verwöhnt seine Landsleute in der Unterkunft mit leckeren Speisen. Bescheiden legt er Grundschullehrerin Brigitte Seidel ein eng beschriebenes Heft vor - fein säuberlich hat er auf zwei Seiten Buchstaben des deutschen Alphabets geschrieben. „Das habe ich geübt“, sagt der Familienvater in perfektem Englisch. Er möchte die Zeit nutzen, um die deutsche Sprache zu lernen, um Fuß zu fassen, wieder arbeiten zu können. Iris Peters unterstützt die Flüchtlinge tatkräftig. Jeden Mittwoch im Anschluss an das Kirchen-Café vermittelt sie den Flüchtlingen erste Deutschkenntnisse. „Das macht viel Spaß, weil die Schüler mit Begeisterung dabei sind. Und wir lachen viel – vor allem, wenn eine Wortbedeutung falsch verstanden wird und wir den tatsächlichen Sinn aufklären.“ Und so ganz nebenbei erhalten die ehrenamtlichen Lehrerinnen auch Unterricht – in arabischen Schriftzeichen.
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