Da sein bis zum Ende

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Irene Höft ist ausgebildete Sterbebegleiterin und arbeitet für den Verein Omega Foto: blu

Warum Irene Höft gerne als Sterbebegleiterin arbeitet

Von Claudia Blume
Norderstedt
Warum tust du dir das an? Wie verkraftest du diese Aufgabe? Das wird Irene Höft immer wieder von Freunden gefragt, denn die lebenslustige Frau mit den unbändigen dunklen Locken begleitet todkranke Menschen. „Ich habe seit Jahren eine sinnvolle ehrenamtliche Arbeit gesucht, und nun habe ich sie gefunden“, sagt die 64-Jährige.
Die Konfrontation mit Krankheit und Sterben im Familien- und Freundeskreis führte zu intensiven Gedanken über Leben und Tod – und Anfang des Jahres zur Ausbildung als Sterbebegleiterin durch den ambulanten Hospizdienst „Omega – Mit dem Sterben leben e.V.“ Die Ortsgruppe Norderstedt kümmert sich seit 1994 um Schwerstkranke und Sterbende in deren Zuhause, auf Onkologie- und Palliativstationen, in Alten- und Pflegeheimen – nicht medizinisch, sondern seelisch, Trost spendend, Zeit schenkend.
Zugleich stärken seine Mitglieder Angehörigen den Rücken und schaffen ihnen wichtige Freiräume, damit sie den Alltag bewältigen können. Gleich nach Abschluss der Ausbildung hatte Irene Höft ihren ersten Einsatz. Die Tochter von Horst M.* fragte bei Omega an; ihr Vater hat Krebs im Endstadium. Seine einzige Bedingung: eine Frau und Raucherin. Irene Höft vereinigt beides: „Die Chemie hat sofort gestimmt.“

„Ich habe seit Jahren eine sinnvolle ehrenamtliche Arbeit gesucht, und nun habe ich sie gefunden“ Irene Höft

Zunächst besucht sie den 60-Jährigen einmal pro Woche in seinem Haus in Norderstedt, später zweimal, sitzt mit ihm im Garten, raucht mit ihm; oft kommen Freunde aus seinem großen Bekanntenkreis vorbei; sie unterhalten sich, Horst erzählt heitere Geschichten aus seinem turbulenten Leben, manchmal auch nicht.
Zuhören und schweigen, den Wunsch nach Nähe oder Abstand achten, das zeichnet die rücksichtsvolle Arbeit eines Sterbebegleiters aus.
„Ich bin als Fremde gekommen und gehe als Vertraute“, resümiert Irene Höft nach knapp vier Monaten. Später, im Hospiz, spricht Horst nicht mehr. Trotzdem oder gerade deshalb sitzt seine „Begleiterin“ still an seinem Bett. Sie ist einfach für ihn da. „Es tut weh, jemanden gehen zu lassen. Ich empfinde Demut vor dem Menschen, der sich auf den Weg macht, denn Sterben ist Leben vor dem Tod, das bis zuletzt ausgefüllt werden darf“, sagt die feinfühlige Frau und fügt hinzu: „Das Lebensende darf kein Tabu-Thema sein.“
Wie verkraftet sie ihre Aufgabe? „Sie belastet mich nicht. Zum einen, weil ich in mir ruhe, zum anderen, weil ich das Erlebte mit meinem Mann teilen kann und weiß, dass es dort gut aufgehoben ist. Außerdem erhalte ich regelmäßig Supervision, die für die Verarbeitung ebenfalls hilfreich ist.“
Mit Blick auf den Welt-Hospiztag am 10. Oktober möchte sie Menschen bestärken, sich ehrenamtlich als Sterbebegleiter zu engagieren. Omega bietet neben Ausbildungskursen auch offene Trauergruppen an. Informationen gibt es bei Sandra Heinicke unter Telefon: 0160/35 03 442. (* Name von der Redaktion geändert)
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