Die erste Frau im Rathaus

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Packt ihre sieben Sachen im Rathaus: Hauptamtsleiterin Siegried Becker geht in den Ruhestand. Foto: Fuchs

Siegried Becker geht nach 48 Jahren im Verwaltungsdienst in Pension

Norderstedt. Sie hat für alle vier Bürgermeister Norderstedts loyal gearbeitet. Seit 17 Jahren führt Siegried Becker als Hauptamtsleiterin die Norderstedter Verwaltung mit ihren 1200 Mitarbeitern. Sie ist nach dem Oberbürgermeister und den beiden Stadträten die ranghöchste Beamtin im Rathaus. Nun geht die dienstälteste Mitarbeiterin als leitende Verwaltungsdirektorin in den verdienten Ruhestand.
Siegrid Becker hört nach 48 Jahren Arbeit in der Verwaltung auf. Ihr letzter Arbeitstag wird der 31. Mai sein. Als erste weibliche Auszubildende fing die heute 64-Jährige in der Gemeindeverwaltung Harksheides unter dem damaligen Bürgermeister Carl Lange an. 36 Mark im Monat verdiente sie damals. Ihre Mittlere Reife hatte die damals 16-Jährige nur ein paar Hundert Meter entfernt in der Realschule Harksheide absolviert. Gleich am ersten Arbeitstag musste sie Telefondienst machen, ohne eine Ahnung zu haben. Das meisterte Siegried Becker mit Bravour. Schnell stellten sie und ihre Vorgesetzten fest, dass Siegried Becker hier ihre Profession gefunden hatte. Ihre Zeugnisse waren so gut, dass sie nach der Ausbildung Inspektions-Anwärterin werden konnte, was heutzutage nur noch mit Abitur möglich ist.
Im April 1970 setzte sie dann in der neu gegründeten Stadt Norderstedt als Inspektorin im Kulturamt ihre einmalige Verwaltungskarriere fort. Dort traf sie erneut auf ihren früheren Chef. Carl Lange, Vater des heutigen SPD-Fraktionschefs, war zum ersten Dezernenten Norderstedts gewählt worden. In diese Zeit fielen wichtige kulturelle Weichenstellungen wie die Eröffnung des Festsaals am Falkenberg im September 1974 oder der erste Auftritt des Thespisnarren, die sich gerade aufgelöst haben. „Das passt genau zu meinem Abschied“, schmunzelt Siegried Becker. Viele Jahre leitete sie das Standesamt. Ihre erste Trauung vollzog sie am 7. April 1971. Standesbeamtin blieb sie bis zum Schluss. Deshalb ist sie auch besonders stolz auf den großzügigen Umbau des Standesamtes vor drei Jahren. Sie arbeitete in der Schulverwaltung und war zuletzt als Hauptamtsleiterin quasi die rechte Hand des Bürgermeisters.
„Siegried Becker war eine wirklich engagierte und hilfsbereite Mitarbeiterin, wie man sie sich nur wünschen kann“, lobt Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote, der sich noch gut daran erinnern kann, wie Becker ihn als Stadtbaurat am 1. Juli 1995 im Rathaus empfing. „Das wird schon werden“, machte sie ihm Mut, der drei Jahre später ihr Verwaltungschef werden sollte. „Es war immer eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, wie sie idealer kaum sein könnte“, sagt Grote. Über eine Nachfolgeregelung hat er sich noch keine Gedanken gemacht, verrät er. 48 Jahre Verwaltungserfahrung könne niemand ersetzen, ist er sich bewusst. Womöglich müssten nach dem Abschied Beckers die Strukturen im Rathaus verändert werden, um diesen personellen Verlust wieder auszugleichen. „Diese Vier-Augen-Gespräche mit Frau Becker werden mir fehlen.“
Jetzt packt sie ihre Sachen und will sich künftig mit ihrem Manndem Reisen und Golfspielen widmen. „Ich werde mein Leben auch ohne Arbeit genießen.“ Ihre 2000 Überstunden nimmt sie übrigens mit in den Ruhestand.
Ihre Tochter Maike ist in ihre Fußstapfen getreten und leitet die Kämmerei in einer Norderstedter Nachbarstadt. (bf)
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