Die Kneipen-Kultur von Alt-Norderstedt

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Dieckmanns Gasthof am Ochsenzoll um 1900. Foto/Repro: Fuchs

Das Stadtmuseum zeigt bis zum 26. August eine Ausstellung

Norderstedt. Jahrhundertelang waren sie neben den Kirchen der wichtigste soziale Treffpunkt einer jeden Gemeinde: die Gaststätten. Das Norderstedter Stadtmuseum widmet den Gasthöfen der Norderstedter Region jetzt eine Sonderausstellung, die noch bis zum 26. August im Friedrichsgaber Weg zu sehen sein wird.
Museumsleiter Marlen von Xylander und Manfred von Essen zeigen dort in vielen Fotos, Texten und Inszenierungen, welche wichtige Rolle die traditionellen Landgasthöfe in Glashütte, Garstedt, Harksheide und Friedrichsgabe gespielt haben. Sie dienten neben der Versorgung von Reisenden und Ausflüglern mit Speis und Trank vor allem auch der Kommunikation und direkten Information der Dorfbewohner.
„Denn in Gaststätten wurde früher nicht nur getrunken und gegessen“, erläutert Museumsleiter von Essen. „Gasthöfe waren zugleich Treffpunkt und Kommunikationsbörse.“
Hier tagte der Gemeinderat, wie es auch heute noch in vielen kleineren Gemeinden Schleswig-Holsteins guter Brauch ist. Hier gab es „Danz op de Deel“. Hierher luden die örtlichen Vereine und Verbände ihre Mitglieder zu allen Versammlungen ein. Hier feierten Familien ihre Feste.
Und manchmal ist in den Gasthöfen auch die moderne Technik erstmals den Bürgern vorgestellt worden, wie 1938 im damaligen Parkhof am Ochsenzoll, wo die erste Filmvorführung stattfand.
Nach dem Krieg dienten die großen Säle in den Gaststätten auch als Notunterkünfte für die vielen Flüchtlinge aus dem Osten, berichtet Marlen von Xylander. Und auch Fernsehübertragungen haben lange bevor es Public-Viewing-Foren zu Fußball-Europameisterschaften gab, in Gaststätten die Menschen zu einmaligen gemeinsamen Erlebnisse zusammengeführt, wie zum Beispiel bei der Krönung der englischen Königin Elisabeth II., die sich ja nun gerade zum 60. Mal jährte. Und auch die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 schauten sich viele Fußball-Fans der Norderstedter Ursprungsgemeinden in der Kneipe um die Ecke an, weil sie zu Hause keinen eigenen Fernseher hatten und diesem Spektakel lieber in geselliger Runde mitfiebern wollten.
Auch der Begriff Ausspannen kommt aus dieser Zeit, womit damals das Ausspannen der Pferde aus den Kutschen gemeint war.

Das Stadtmuseum ist mittwochs bis sonnabends von
15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt vier Euro für Erwachsene und zwei Euro ermäßigt. Kinder bis zwölf Jahre haben freien Eintritt. Am Dienstag, 26. Juni, erzählt Olga Schuck im Stadtmuseum alte „Krooggeschichten“ aus Norderstedts Gasthüüs. Beginn ist um 18.30 Uhr. (bf)
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