Diskussion um Flüchtlinge

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Symbolfoto: thinkstock
 
Susanne Martin koordiniert die Arbeit der HelferFoto: tj

Norderstedter informierten sich. Koordinatorin fordert zum Gespräch auf

Von Tina Jordan
Hamburg. „Integration kann nur gelingen, wenn sich alle Norderstedter Bürger ein Stück verantwortlich fühlen, um Kriegsflüchtlinge freundlich aufzunehmen“, gab Stadträtin Anette Reinders als Marschrichtung beim Informationsabend im Glashütter Kirchengemeindezentrum vor. Die rund 40 Besucher, die sich dabei durch die Stadt über die neuen Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge in ihrem Quartier informieren wollten, hatten bis auf wenige Ausnahmen ein Ziel im Auge: „Diese Menschen haben nichts mehr, sie haben alles verloren, sie müssen hier zur Ruhe kommen und wir wollen ihnen dabei helfen“, bestätigt Imke Wallert, die sich gerade zur Willkommenshelferin ausbilden lässt.

Einige Glashütter nutzten diese Veranstaltung jedoch auch, um sich Luft über Missstände in ihrem Viertel zu machen, nannten desolate Zustände am Glashütter Markt, um gegen die Unterbringung von Fremden zu protestieren. „Sie unterschätzen die Problematik, wir haben hier schon genug Brennpunkte“, wurde aus dem Publikum eingeworfen. „Es ist unsere menschliche Pflicht, diesen Flüchtlingen unter die Arme zu greifen. Missverständnisse gibt es, aber von Problematiken in den bisherigen Unterkünften in der Stadt Norderstedt, bei denen die bisherigen 156 Flüchtlinge untergebracht sind, ist uns nichts bekannt. Und sollten Sie tatsächlich dann etwas störend finden an ihren neuen Nachbarn, dann reden Sie mit Ihnen. Die meisten Neubürger sind willig, schnell Deutsch zu lernen, davon können Sie ausgehen“, erwiderte Anette Reinders. Insgesamt 230 Kriegsflüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Eritrea, den Balkanstaaten und dem Iran werden 2014 in Norderstedt erwartet.
„Die UN-Flüchtlingskommission spricht von weltweit 50 Millionen Menschen, die auf der Flucht sind. Allein 16 Millionen davon sind außerhalb ihres eigenen Landes unterwegs. Da erscheint doch die Zahl von 230 Flüchtlingen, die Norderstedt mit einer Einwohnerzahl von 76.000 aufnimmt doch eher gering. Nichtsdestotrotz haben wir als Stadt sicherzustellen, dass diese Menschen integriert werden und passende Unterkünfte zugewiesen bekommen“, zählte Anette Reinders auf. Kurzfristig werden 40 bis 60 Personen in Friedrichsgabe in Rentnerwohnungen nach der Johanneskirche untergebracht.
Susanne Martin, Koordinatorin des Willkommensteams, ist sich sicher, dass der Zustrom der Flüchtlinge erst einmal anhalten wird. In ehemaligen Hausmeisterwohnungen an Schulen.
Am Harkhshörner Weg werden derzeit Container und in der Gemeinschaftsschule Harksheide Räumlichkeiten vorbereitet. Die Planung sieht Neubauten an drei Standorten vor, so etwa auch an der ehemaligen Feuerwache Glashütte, ein
modernes Mehrfamilienhaus soll dort 2016 fertig gestellt sein. Zur Entlastung der Wohnsituation in den Unterkünften hat Susanne Martin ein Café als Treffpunkt für Flüchtlinge eingerichtet. Es ist montags von 14.30 bis 17 Uhr in einem Raum der freien evangelischen Gemeinde im Falkenkamp
geöffnet. „Wir statten die traumatisierten Menschen mit einer Willkommenstasche aus, in der sie neben Nahrung auch Toilettenpapier, Handtücher, eine Tasse, einen Topf finden.“ Susanne Martin ist weiter auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern. Informationen unter info@vhs-norderstedt.de (tj)
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