Diskussionen um Tempolimit

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Fordern ein Tempolimit: Adelgunde Marxen (v.l.), Ruth-Margrit Christiansen, Nicole Brügge und Gisela Maier.Fotos Fuchs
 
Unterstützt die Forderung für ein Tempolimit: Haslohs Bürgermeister Bernhard Brummund.

Streitpunkt: Die viel befahrene Bundesstraße vor dem Seniorenheim Haus Rehagen

Von Burkhard Fuchs
Hasloh. Seit drei Jahren kämpfen Gisela Maier, Ruth-Margrit Christiansen und Adelgunde Marxen vom Hasloher Seniorenbeirat mit Heimleiterin Nicole Brügge für ein Tempolimit auf der Kieler Straße (B4) vor dem Altenheim Rehhagen. Bislang vergeblich. Sowohl der Fachdienst Straßenbau und Verkehr der Kreisverwaltung wie auch der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr in Itzehoe lehnen die Forderung ab.
Eine Geschwindigkeitsreduzierung unter Tempo 100 sei dort rechtlich nicht zulässig. Es sei denn, eine besondere Gefahrenlage würde dies notwendig machen, lautet der Tenor der zuständigen Behörden. Ein Unfallschwerpunkt sei dieser Bereich nicht, sagt Kreissprecher Marc Trampe. „Wir haben das Unfallgeschehen der vergangenen Jahre ausgewertet und festgestellt, dass bei keinem Unfall erhöhte Geschwindigkeit oder Überholmanöver eine ursächliche Rolle spielten.“
Das können die Frauen nicht bestätigen. So habe es sehr wohl schon Unfälle in Höhe des Altenheims gegeben.

Viele Unfälle ereignet

„2009 hat sich eine Mitarbeiterin so schwer verletzt, dass sie jetzt berufsunfähig ist“, sagt Heimleiterin Nicole Brügge. Eine zweite laborierte ein halbes Jahr lang an ihrer Unfallverletzung, bis sie wieder arbeiten konnte. Beiden war beim Abbiegen auf das Gelände des Heimes von hinten ein Fahrzeug fast ungebremst aufgefahren.
Würde das Tempolimit von 70 Stundenkilometern, wie es zunächst am Ortsausgang von Hasloh in Richtung Quickborn gilt, nur um 300 Meter verlängert werden, könnten solche schweren Unfälle vermieden werden. Davon ist Seniorenbeiratsvorsitzende Maier überzeugt. Ohnehin verstehen die Seniorinnen nicht, warum sich auf der Strecke zwischen Hasloh und Quickborn Tempolimits von 70-, 80- und 100 Stundenkilometern scheinbar willkürlich abwechseln.
Auch dafür haben die Verkehrsbehörden die passende Antwort. Jedes Tempolimit sei nach den örtlichen Verkehrsverhältnissen individuell zu beurteilen, schreibt der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr. „Dies kann im Ergebnis zu unterschiedlichen zulässigen Höchstgeschwindigkeiten im Verlauf einer Straße mit überörtlichem Verkehrsaufkommen führen.“
Für die 93 Bewohner des Altenheims, deren Angehörige und ihre 60 Mitarbeiter sei die Verkehrssituation ein unerträglicher Zustand, ärgert sich Heimleiterin Brügge. So müssten die Besucher und Angestellten sowie die Ärzte, Physiotherapeuten und Apotheker, oft minutenlang warten, bis sie auf die viel befahrene Bundesstraße einscheren könnten.

Unerträglicher Zustand

Noch schlimmer sei es für die Bewohner: Wenn sie allein oder mit ihren Angehörigen spazieren gehen wollen, müssen sie über die Straße. Denn nur auf der westlichen Seite der B4 gibt es einen Geh- und Radweg. Für Gehbehinderte und Personen mit Rollator oder im Rollstuhl sei das ein hoffnungsloses Unterfangen, erklärt Nicole Brügge.
Bei einem Gespräch im Landesbetrieb schlug ein Mitarbeiter vor, das Altenheim möge auf eigene Kosten eine Querungshilfe in Form einer Verkehrsinsel für die alten Menschen schaffen. Kosten: 400.000 Euro. Das sei für ihren Betrieb unmöglich zu erwirtschaften, sagt Nicole Brügge. Und betont dennoch: „Wir sind der größte Arbeitgeber Haslohs. Wir haben erst vor zwei Jahren das Heim um 20 Plätze aufgestockt.“
Nun gibt es einen neuen Vorschlag. Ein zusätzlicher Geh- und Radweg auf der östlichen Seite der B4 soll die Bewohner des Altenheims sicher nach Hasloh bringen. Dafür gebe es Zuschüsse vom Land. Doch das reicht den Frauen nicht aus. Sie fordern weiterhin ein Tempolimit.
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