Eine Steuer für Pferde?

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Martina Schirmer (l.) mit ihrer Stute und Maike Loppow auf einer Reitsportanlage in Garstedt Foto: blu

Nach hessischem Bezahlmodell auch Diskussion in und um Norderstedt

Von Claudia Blume
Nordersted
t Mit Jahresbeginn müssen Pferdehalter im hessischen Bad Sooden-Allendorf 200 Euro Pferdesteuer pro Jahr an die Stadt zahlen, die so eine neue Einnahmequelle gefunden hat. Der hessische Gerichtshof in Kassel entschied am Jahresende, dass die Einführung rechtens ist.

Vorschlag von Bürgern


Auch in Norderstedt und Henstedt-Ulzburg machten Bürger, darunter vor allem Hundehalter, den Vorschlag, eine Pferdesteuer einzuführen. Die Idee entstand, als die Kommunen dazu aufriefen, Tipps zur Verbesserung des Haushalts zu liefern.
In Tangstedt gab es in der vergangenen Legislaturperiode sogar bereits einen Antrag zur Einführung einer Pferdesteuer. Entschieden ist zwar noch nichts, aber immerhin tummeln sich rund 3.000 Ponys und Pferde allein auf den Weiden in und um Norderstedt. An die 1.000 Beschäftigte arbeiten in über 50 Reitsportbetrieben, die etwa sieben Millionen Euro Jahresumsatz machen. Wie bewerten Pferdehalter in der Region die Möglichkeit einer Steuer für Haflinger, Schimmel oder Friesen?

Eine Steuer? Viele Halter müssten verkaufen


Jens-Peter Timm züchtet seit Jahrzehnten erfolgreich Holsteiner und Deutsche Reitponys. „Käme die Pferdesteuer, müsste ich meine Zucht aufgeben. Bei 30 Pferden wären das 6.000 Euro pro Jahr. Aber wofür?“, fragt der Pferdemann, der die Kosten auf den Verkaufspreis der Tiere umschlagen müsste, was sie teurer und schwerer verkäuflich machen würde. Timm hält zudem den Verwaltungsaufwand für die Steuereintreibung zu groß und unverhältnismäßig. Auch seine große Reitanlage in Garstedt stände vor dem Ruin. Viele Einsteller würden in günstige Offenställe wechseln, andere sogar gezwungen sein ihre Pferde abzugeben. Unvorstellbar wäre eine Steuer für Martina Schirmer: „Pferde sind mein Leben. Ich verzichte für meine Stute ohnehin auf vieles wie etwa Urlaubsreisen. Käme die Steuer, würde ich noch mehr Abstriche machen.“ Und Pferdeosteopathin Maike Loppow fürchtet um ihre berufliche Existenz: „Viele Pferdebesitzer würden als erstes an Behandlungskosten sparen und nur für das Nötigste aufkommen.“

Norderstedter Haushalt mit schwarzen Zahlen


Die Politik gibt Entwarnung: Gerd Leiteritz, Fraktionsvorsitzender der CDU Norderstedt: „Derzeit wird nicht über eine Pferdesteuer nachgedacht. Wir schreiben eine schwarze Null, daher gibt es keine haushaltspolitischen Gründe für eine Einführung. In der „Pferdestadt“ Norderstedt stehen zudem viele Arbeitsplätze und Existenzen rund um den Reitsport auf dem Spiel, die es unbedingt zu erhalten gilt.“
Dem pflichtet auch Jürgen Lange, Vorsitzender der SPD-Fraktion, bei: „Für die SPD gibt es keinen Grund eine solche Steuer zu diskutieren. Mit Reitställen und Pferdesportvereinen sollte verhandelt werden, wie sie an Herstellung und Instandhaltung der Reitwege beteiligt werden können.“
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