Er verliebte sich beim Brötchenholen in sie

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Hildegard und Günter Rose auf ihrer Couch. Hildegard hält das Hochzeitsfoto aus dem Jahr 1953 in der HandFoto: rj

Das Ehepaar Rose aus Henstedt-Ulzburg ist seit 60 Jahren verheiratet

Henstedt-Ulzburg. Oft kann Hildegard Rose (78) nachts nicht schlafen. „Dann träume ich von meiner Kindheit und Jugendzeit in Pommern“, sagt sie. In Groß Garde, einem kleinen Dorf in Hinterpommern, ist sie zur Welt gekommen und auf dem Bauernhof ihrer Eltern aufgewachsen. In Stolp, 20 Kilometer entfernt, besuchte sie die Schule, und in dieser Kleinstadt lernte sie später Günter Rose (84), die Liebe ihres Lebens kennen. Hier haben sie am 12. September 1953 geheiratet.
Am Wochenende feierten Günter und Hildegard in ihrem Haus auf dem Rhen im Kreis der Familie (Tochter Margot und Sohn Carsten mit ihren Partnern, fünf Enkel, zwei Urenkel) die Diamantene Hochzeit. „60 Jahre sind wir nun verheiratet, und wir haben uns immer noch lieb“, sagte Günter.
Blondes Pommernmädel
Ehefrau Hildegard freute sich über dieses Geständnis nach so langer Zeit: „Ich war ein blondes Pommernmädel, und Günter stand von Anfang an darauf. Irgendwann mochten wir uns, und das hat bis heute gehalten.“
Günter Rose und seine Eltern waren am 15. Januar 1945 mit Pferd und Wagen vor russischen Soldaten aus ihrem Wohnort Soldau in Ostpreußen geflüchtet. „Ich bin auf dem Fahrrad nebenher gefahren“, erinnert sich der angelernte Schmied. Dann passierte im Flüchtlings-Chaos das Unglück: Eltern und Sohn verloren sich aus den Augen. Sie sahen sich erst viele Jahre später wieder.
Gefunkt hat‘s im Konsum
In Stolp, wenige Kilometer von der Ostsee entfernt, wurde Günter von einer deutschen Familie aufgenommen, die schon 14 Kinder hatte. Er arbeitete als Schmied und Treckerfahrer, jeden Tag holte er im „Konsum“ in Stolp seine Brötchen. Hier war Hildegard Stricker Verkäuferin. „Da hat es bei mir gefunkt“, bekennt Günter Rose. Und dann hat er seinen künftigen Schwiegervater gefragt: „Darf ich Ihre Tochter heiraten?“
Er durfte. Dann haben sie geheiratet, zuerst standesamtlich in Groß Garde, später kirchlich in Stolp. „Den Anzug hat Günter von seinem Onkel, ich habe mein Hochzeitskleid selber genäht“, erinnert sich Hildegard. 1957 kamen sie im Rahmen der Familienzusammenführung über Wentorf nach Norderstedt. 1964 kauften sie sich ein Haus, in dem sie heute noch wohnen.
Wie kam es, dass ihre Ehe immer noch hält? „Es war die erste Liebe, da sieht man alles rosarot“, sagt Hildegard. „Aber wenn man merkt, das nicht alles gut läuft, dann muss man auch mal Klartext reden. Und das habe ich getan. Das hat unserer Ehe nicht geschadet.“
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