Fahrer bitte ansprechen!

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Dieses Schild kommt weg, denn das Verbot, den Fahrer nicht anzusprechen, gilt ab sofort nicht mehr in den VHH-Bussen, versichert Sprecher Kay Götze. Foto: Fuchs
 
„Wenn die Haltestelle zum Beispiel bei Großveranstaltungen schwarz vor Menschen ist, macht es keinen Sinn, alle vorne einsteigen zu lassen.“ Thomas Becker, VHH-Vorstand

Ergebnis der Kundenbefragung: Sprechverbot aufgehoben

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt / Quickborn. Wer mit den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) Bus fährt, hat jetzt mehr Platz im Bus, kann und soll den Fahrer ansprechen, wenn er etwas wissen will, und auch die Sauberkeit ist verbessert worden, indem Papierkörbe im Bus angebracht sind.
Diese neuen Serviceleistungen sind das Ergebnis einer groß angelegten Befragung der VHH unter 1200 Fahrgästen, die in dieser Form bislang einmalig in Deutschland war.
Das Busunternehmen, das den Busverkehr in Norderstedt, Quickborn sowie Hamburg und dem Umland sicherstellt, hatte seit Herbst vorigen Jahres Fahrgäste und Busfahrer in 280 Workshops an einen Tisch gebracht.
Beide Seiten sollten in diesen Gesprächsrunden sagen, was bereits gut laufe und was verbessert werden könnte.
Als erstes wurde daraufhin das geforderte Sprechverbot zwischen Fahrer und Fahrgast abgeschafft, erklärte VHH-Sprecher Kay Götze jetzt bei der Vorstellung der Kundenbefragung, die unter dem Motto lief: „einfach schnacken“. Denn auf den Hinweis, warum sie denn den Fahrer nicht sofort auf dieses oder jenes Problem aufmerksam gemacht hätten, antworten die Fahrgäste, sie dürften diesen ja nicht ansprechen. „Diese Hinweisschilder haben wir sofort aus allen unseren 560 Bussen entfernt.“ Denn es sei erwünscht, dass der Fahrgast den Fahrer fragt, wenn er wissen will, wann der Anschlussbus fährt oder wo die nächste Haltestelle zu seinem Zielort ist.
Der Wunsch nach einer besseren Kommunikation zwischen Fahrer und Fahrgast sei das übergeordnete Ergebnis der gesamten Befragung, sagt VHH-Vorstand Thomas Becker. Deshalb seien jetzt alle 1300 Busfahrer dazu angehalten und würden darin geschult, dass sie wichtige Informationen sofort an alle Fahrgäste weitergeben sollen. Wenn sich beispielsweise der Bus wegen eines Staus so sehr verspäte, dass wichtige Anschlüsse nicht erreicht werden könnten, werde dies künftig im Bus sofort über die Lautsprecheranlage durchgegeben. Die jeweiligen Leitstellen in den Betriebshöfen unterstützten die Kollegen dabei.
Auch an den Haltestellen soll sich die Informationslage für die Fahrgäste verbessern, kündigt VHH-Chef Becker an. So würden alle neuen Busse mit Außen-Lautsprechern ausgerüstet, über die die Busfahrer sie auch auffordern können, ausnahmsweise hinten einzusteigen, wenn es besonders voll ist. „Wenn die Haltestelle zum Beispiel bei Großveranstaltungen schwarz vor Menschen ist, macht es keinen Sinn, alle vorne einsteigen zu lassen.“ Dann würde sich der Bus unnötig verspäten.
Auf Dauer sei eine Art Ampelregelung – grüne Leuchte, wenn der Fahrgast hinten einsteigen darf, rote, wenn nicht – geplant und werde umgesetzt, kündigt Becker an. Manchmal scheitere das Gespräch nur an mangelnden Deutsch-Kenntnissen des Fahrers, erklärt VHH-Sprecher Götze. „Bei uns arbeiten Busfahrer aus 28 Ländern.“ Dieser Sprachschatz sei einerseits gut, um die internationale Fahrgästeschar in der Metropolregion Hamburg in verschiedenen Sprachen beraten zu können. Einige Fahrer hätten aber auch Probleme mit der deutschen Sprache, die sie nun in gezielten Sprachkursen lösen können.
Aber auch die Busse selbst wurden im Sinne der Kundenwünsche verändert. So seien die vorderen Sitzreihen schmaler gemacht worden, damit die Kunden mehr Platz beim Einsteigen haben. Einige Sitzreihen seien aus demselben Grund in Längsreihen angeordnet worden. Und auch der Raum für Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen in der Mitte eines Busses wurde erheblich vergrößert, stellt Götze die wichtigsten Neuerungen dar. In Gelenkbussen gibt es nun auch am Hinterausgang eine zweite Rampe für Mütter mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer. Das kommt auch Rommy Ahrens entgegen, die jeden Tag mit dem Bus zur Arbeit in die Innenstadt fährt und sich oft geärgert hat, dass sie aus Platzgründen ihr Fahrrad nicht mitnehmen konnte. Diese Anregung hatte sie in einem der Workshops geäußert. Als zusätzliches Dankeschön hat sie dafür den ausgelobten Hauptgewinn dieser Kundenbefragung erhalten: eine fünftägige Busreise zu zweit nach Prag.
In den Workshops sei aber nicht nur „konstruktive Kritik“ geäußert worden, sagt VHH-Chef Becker. „Unsere Fahrer haben auch sehr viel Anerkennung von unseren Kunden erfahren.“ (bf)
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