Fluglärm wird jetzt politisch

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Reimer Rathje will jetzt eine Wählergemeinschaft gegen Fluglärm gründen. Er kann den Lärm nicht mehr ertragen. Foto: Fuchs
 
Hans Schwarz von der Norderstedter Interessengemeinschaft gegen Fluglärm freut sich über die Initiative von Reimer Rathje. Foto: Fuchs

Garstedter will mit Wählergemeinschaft bei der Kommunalwahl 2013 antreten

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt. Die politische Landschaft in Norderstedt verspricht bunter und vielfältiger zu werden. Der selbstständige Kaufmann Reimer Rathje, der in Alt-Garstedt lebt, kann und will den zunehmenden Fluglärm über seinem Haus nicht mehr ertragen. Da er davon ausgeht, dass er längst nicht der einzige ist, den dieser permanente Fluglärm von früh morgens bis in spät abends nervt, will er jetzt eine Wählergemeinschaft gründen, die in der Stadtvertretung gegen den Fluglärm in Norderstedt mobil macht.
Nach der offiziellen Gründung der Wählergemeinschaft „Fluglärm“ nach der Sommerpause will er bei der Kommunalwahl am 26. Mai nächsten Jahres antreten, kündigt Rathje an. Er rechnet sich gute Chancen aus, mit dieser politischen Gruppierung auf Anhieb in die Stadtvertretung gewählt zu werden. Bei der Kommunalwahl 2008 reichten bei einer Wahlbeteiligung von nur 42,7 Prozent 1290 Stimmen aus, um die Fünf-Prozent-Hürde zu nehmen. Zwei Ratsmandate wären das gewesen, hat Rathje ausgerechnet. „Das werden wir locker erreichen“, ist er überzeugt. Zumal es in Norderstedt zurzeit „kein großes kommunalpolitisches Thema gibt“. Und der Politneuling steht keineswegs alleine da. Seit Jahrzehnten versuchen Hans Schwarz und Uwe Kühl, mit ihrer Norderstedter Interessengemeinschaft (NIG), den Fluglärm über Garstedt einzudämmen. Bislang vergeblich. Entsprechend begeistert zeigt sich Uwe Kühl über Rathjes Ankündigung. „Ich habe es nicht mehr für möglich gehalten, dass ein junger und fähiger Mann wie Sie sich der Sache offensiv annehmen und nicht wie viele Garstedter resignierend in der Hängematte dem Tod entgegenschaukeln will“, beglückwünscht er den „lieben Herrn Rathje“ zu seinem Vorhaben. Rathje betont, dass er grundsätzlich nichts gegen den Hamburger Flughafen habe. Allerdings werde der Flugverkehr nicht gerecht über die vier Start- und Landebahnen verteilt. So starteten und landeten im vorigen Jahr 66.458 der insgesamt 154.695 Flugzeuge in Richtung Norderstedt, Hasloh und Quickborn. Das waren 43 Prozent aller Flugbewegungen, 57 Prozent aller Starts und 29 Prozent aller Landungen. Umgerechnet sind das 182 Flugzeuge jeden Tag von 6 bis 23 Uhr oder alle fünf Minuten eines. Während die eine Startbahn in Richtung Alsterdorf mit 4323 Starts und Landungen (drei Prozent) fast ausgespart bleibt. Im März starteten sogar vier von fünf Fliegern von Fuhlsbüttel aus in Richtung Norden. Rathje: „Dieses Missverhältnis geht natürlich überhaupt nicht und muss endlich geändert werden.“ Wenn die Norderstedter Tag für Tag von Flugzeugen geweckt würden, könnten dies die Hamburger durchaus mal ertragen. Auf die Klage der Quickborner Fluglärmgegner, die diese Bahnverteilung für rechtswidrig halten, will der Norderstedter nicht warten. Das könnte noch Jahre dauern. Er setzt darauf, mit seiner Wählergemeinschaft so viel Druck auf die Politik und Verwaltung in Norderstedt auszuüben, dass diese sich in der Fluglärmschutzkommission sowie der neuen Landesregierung Kiel dafür einsetzt, dass der Hamburger Senat nicht anders kann, als den Fluglärm zu Gunsten Schleswig-Holsteins neu zu verteilen. So hätte die alte Landesregierung in Kiel beispielsweise ihre Zustimmung zur Elbvertiefung davon abhängig machen können. „In Kiel wird das Problem bislang überhaupt nicht richtig erkannt.“ Und auch Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote habe vorschnell dem Flughafen erlaubt, auf Norderstedter Gelände einen Sommerferienparkplatz einzurichten, ohne eine Gegenleistung zu verlangen. „Da ist uns Grote in den Rücken gefallen.“ (bf)

Über Anregungen und Kritik würde sich Rathje freuen. Kontakt: E-Mail: garstedt2013@web.de
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