Füllen Ärzte Vorlagen nicht aus?

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Physiotherapeut Thomas Dudek kritisiert die Praktiken einiger Krankenkassen. Foto: Jaeger

Physiotherapeuten bekommen von Krankenkassen nicht volle Leistungen erstattet

Von Renate Jaeger
Henstedt-Ulzburg. Thomas Dudek ist verärgert. Der Physiotherapeut aus Henstedt-Ulzburg hat Post von einer gesetzlichen Krankenkasse erhalten. „Wieder hat die Kasse den von mir eingereichten Rechnungsbetrag für einen meiner Patienten nicht erstattet“, klagt Dudek. „Diese Fälle häufen sich, das gefährdet meine Existenz.“ Droht jetzt ein Streik der Physiotherapeuten?
Dudek erhält Rückendeckung vom Verband Physikalische Therapie (VPT) in Hamburg. Er informiert alle Patienten und bittet im Falle eines Falles die Krankenkassen auf die Abrechnungskürzungen anzusprechen. „Dort ist zurzeit kein Einlenken festzustellen“, heißt es in dem Schreiben.
„Manche Kassen weigern sich, durch mich erbrachte Leistungen zu vergüten, wenn das vom Arzt erstellte Heilmittelrezpt nicht hundertprozentig den Vorgaben der seit 2001 geltenden Richtlinien oder den Vorstellungen einiger Kassen von der richtigen Leistungserbringung oder Abrechnung entspricht“, sagt Dudek. „Das kann ich nicht akzeptieren.“ Einige Ärzte, heißt es im VPT-Blatt, „füllen noch immer die Verordnungen nicht vollständig korrekt aus“. Oft ginge es dabei um die falsche Reihenfolge „Erst-“ und „Folgeverordnung“. Häufig liege die Ursache einer Absetzung auch darin, dass ein Kreuz auf dem Rezept an der falschen Stelle oder gar nicht vorhanden ist.
Bettina Flower, Assistenzärztin in der Allgemeinpraxis Holger Weihe in Henstedt-Ulzburg, wehrt sich gegen diese Vorwürfe: „Das kommt zwar hin und wieder vor, aber dahinter steckt keine Absicht. Das System erfordert eben viel Kontrolle auf beiden Seiten.“

Sorgfaltspflicht

Rüdiger Scharf, Pressesprecher der Gesetzlichen Krankenkasse DAK-Gesundheit Hamburg, sieht kein großes Problem: „Zu 99 Prozent geht alles glatt. Aber solche Fälle kommen immer mal wieder vor. In den Praxen muss sorgfältig gearbeitet werden. Ärzteschaft und Therapeuten müssen sich einigen. Wir können nur abrechnen, was verordnet wird. Ohne Bürokratie kommen wir nicht aus.“ Das sehen die Therapeuten, denen der Gesetzgeber die Kontrollpflicht übertragen hat, auch so. Aber sie kritisieren: „Die formale Prüfpflicht nimmt momentan ein nicht mehr vertretbares Zeit- und Kompetenzvolumen in Anspruch. Es darf nicht sein, dass wir zum Sündenbock gemacht werden und die für die Patienten erbrachte Leistung deshalb nicht vergütet bekommen, weil andere Fehler machen.“
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