Für eine schnelle Integration

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Betreuer Oliver Hojahn freut sich auf seine neuen Schützlinge Foto: Blume

Neue Bleibe für minderjährige Flüchtlinge in Norderstedt

Von Claudia Blume
Norderstedt
Das schlichte Rotklinker-Haus in der Alten Landstraße war bis Ende vergangenen Jahres Zufluchtsort für Frauen. Künftig finden hier bis zu 16 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge Schutz. Als Betreiber fungiert das SOS-Kinderdorf. Ein Betreuer-Team aus deutschen, iranischen und irakischen Mitarbeitern soll für schnelle Integration sorgen. Bevor die ersten Jugendlichen einziehen, war die Nachbarschaft eingeladen, die Räumlichkeiten kennenzulernen, Fragen zu stellen und mögliche Probleme anzusprechen. Helmut Humfeld macht sich vor allem Sorgen um mögliche Ruhestörung durch lautes Telefonieren der Jugendlichen im Garten und auf der Straße. „Ich wohne seit drei Jahren direkt nebenan und habe schon einiges an Lärmbelästigung ertragen müssen“, sagt er und schlägt vor, im Haus eine Telefonzelle einzubauen. Das sei nicht möglich, erklärte Jugendamtsleiter Klaus Struckmann, empfahl aber einen entsprechenden Punkt in die Hausordnung aufzunehmen. Er verwies zudem auf eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung und auch Befürchtungen hinsichtlich häufiger Bewohnerwechsel konnte er entkräften: „Die Jugendlichen werden mindestens sechs Monate bleiben und daher Einrichtung und Umfeld eine höhere Wertschätzung entgegenbringen.“ Auch Bea Fahl, seit neun Jahre direkte Anwohnerin, möchte künftig laue Sommerabende im Garten in Ruhe genießen. „Warum nicht mal zusammen feiern, statt sich zu beschweren. Ich würde die Kids gern in die deutsche Kultur einbinden, sie zum Chor und zu Freizeitaktivitäten im Ossenmoorpark mitnehmen.“ Fünf minderjährige unbegleitete Flüchtlinge sind bereits in der ehemaligen Teestube der Kirche Harksheide untergebracht, dort stehen 14 Plätze zur Verfügung. „Norderstedt ist in der Pflicht 60 Personen aufzunehmen – eine überschaubare Zahl angesichts rund 2.500 unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Schleswig-Holstein“, so Klaus Struckmann. Wann die ersten Bewohner einziehen, steht nicht fest. „Wir warten auf die Zuteilung“, sagt Erzieher Oliver Hojahn, der sich auf seine neue Aufgabe freut, „die Unterrichtsmaterialien für den Deutschunterricht warten bereits in den Schubladen.“
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