Guter Draht ins All

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200 LOFAR-Antennen werden bis Herbst auf dem Feld am Harthagen aufgestellt, sie sollen Daten aus dem All sammeln

200 Antennen am Harthagen sind Teil des weltgrößten Radioteleskops

Norderstedt. Als das Weltraumteleskop „Hubble“ die ersten gestochen scharfen Bilder aus dem Weltraum schickte, war die Euphorie bei den Wissenschaftlern groß. Einen ähnlichen Quantensprung erwarten sich die Astronomen jetzt von einem Projekt, das bis Herbst auf einem Norderstedter Feld realisiert wird.
Auf dem Land von Bauer Hans-Peter Krohn sollen 200 Antennen mit einer Höhe von 1,70 Meter aufgestellt werden, die Radiowellen aus dem Weltall erfassen und erforschbar machen. Gemeinsam mit 49 Stationen in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien und Schweden bilden sie das LOFAR-Teleskop, das weltweit größte Radioteleskop.

Erforschung des Alls

LOFAR steht für Low Frequency Array (Niedrigfrequenz-Anordnung). Dabei kann das Teleskop in Norderstedt im Verbund Bilder erster Sterne, von Sternenexplosionen oder Strahlen liefern, die zur Erforschung des Urknalls oder der Überprüfung von Einsteins Relativitätstheorie genutzt werden können. Die Daten der 49 Stationen werden in einem Hochleistungsrechner erfasst, der die Signale kombiniert und zu einem Himmelsbild zusammen setzt.

„Ein Radioteleskop kennen vor allem James Bond-Fans.“ Marcus Brüggen,
Professor an der Sternwarte Bergedorf


„Ein Radioteleskop kennen vor allem James Bond-Fans“, erzählt Marcus Brüggen, Professor an der Sternwarte Bergedorf und Leiter des LOFAR-Projektes Norderstedt. Denn im Film „Golden Eye“ spielt der im Durchmesser 304 Meter große Reflektorschild in einem ehemaligen Vulkan eine entscheidende Rolle.
„Wir wollen Bilder des gesamten Himmels machen, wie sie noch nie gemacht wurden“, verspricht der Professor. Damit wird Norderstedt zum ersten Mal im Bereich der Grundlagenforschung eine Rolle spielen. Ein Punkt, der den Oberbürgermeister besonders interessiert. „Das ist ein Projekt, das weit voraus ist - das passt zu ‚Norderstedt, eine Idee voraus‘“, meinte Hans-Joachim Grote.
Vom Norderstedter Feld werden die Daten mit einem Hochleistungs-Glasfaserkabel zunächst zur Universität Hamburg in die Schlüterstraße übertragen und von dort weiter nach Groningen zum Zentralcomputer. Das stadteigene Unternehmen Wilhelm.tel erhielt den Zuschlag für die Datenübermittlung nach Hamburg.
Start für nötige Planierarbeiten ist im August. Ende November wollen die Wissenschaftler die ersten Daten sammeln.

Projekt offen für Schulen

Das Feld am Harthagen wird aber auch für einzelne Forschungen Bilder liefern. So will Joris Verbiets, Junior-Professor der Uni Bielefeld, mit den Bildern Neutronensterne erforschen und erhofft sich neue Möglichkeiten zur Untersuchung der Sonne und des Weltraumwetters. Und auch die Norderstedter Schüler könnten von dem neuen Teleskop profitieren. „Wir können uns vorstellen, den Physiklehrern Bilder zur Verfügung zu stellen, damit wird ganz praktische Arbeit mit modernsten Forschungsdaten möglich“, verspricht Dr. Dieter Engels von der Hamburger Sternwarte. (now)
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