Hämmernde Nervensäge

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Mit schwerem Gerät werden an der Niendorfer Straße Betonpfähle in den Boden gerammt, was laute Geräusche und unangenehme Vibrationen erzeugt. Foto: Fuchs
 
Rüdiger Sauerland ist genervt von der Baustelle in der Nähe seines Hauses in Langenhorn. Die Vibrationen sind nicht auszuhalten, klagt er.

Lärm von der Baustelle: Tesa schaltet Hotline

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt. Rüdiger Sauerland ist mit den Nerven fertig. Seit Wochen kann sich der selbstständige Reiseverkehrskaufmann nicht mehr richtig in seinem Homeoffice auf die Arbeit konzentrieren, schläft schlecht, wacht ständig auf, weil er tagsüber immer wieder ein lautes Rums-Geräusch hören muss, das er auch nachts nicht mehr aus seinem Kopf kriegt.
„Der ganze Boden vibriert. Das wirkt schon körperlich“, ärgert sich Sauerland, der im Langenhorner Suckweg direkt an der Stadtgrenze zu Norderstedt wohnt. Eigentlich ein idyllisches Wohngebiet mit Blick auf den Tarpenbek, der durch Norderstedt fließt, wenn nicht jetzt der Tesa-Bau an der Niendorfer Straße wäre.
Der Hamburger Klebemittel-Hersteller baut dort für 160 Millionen Euro am Norderstedter Nordportgelände seine neue Firmenzentrale für Verwaltung, Forschung und Entwicklung. 850 Mitarbeiter sollen hier 2015 einziehen. Das Problem: Das Gelände ist ein ehemaliges Moorgebiet und sehr weich und morastig. Der geplante Neubau muss mit Betonpfeilern gestützt werden, die die Arbeiter jetzt lautstark in den Boden rammen. Insgesamt 1200 Pfähle müssten dafür zwischen 16 und 24 Meter tief in die Erde befördert werden, erklärt Tesa-Sprecher Reinhart Martin. „Das ist leider nicht anders zu machen.“ Der Tesa-Sprecher bittet die Anwohner um Geduld und Verständnis.
Anwohner beklagen sich über den Baulärm auf der Tesa-Baustelle. Die Arbeiten würden voraussichtlich noch bis Ende März andauern. Etwa eine Viertelstunde dauere es, einen Betonpfahl in den Boden zu versenken. Laut Bebauungsplan könnte Tesa diese Arbeiten wochentags von 7 bis 20 Uhr ausführen.
„Das ist alles genehmigt. Wir schränken dies aber extra auf
8 bis 18.30 Uhr ein, um die Anwohner nicht über Gebühr zu stören.“ Zudem habe sein Unternehmen im Vorwege versucht, die betroffenen Anlieger und benachbarten Betriebe über die Lärmbelästigung bei den Gründungsarbeiten zu informieren, so Tesa-Sprecher Reinhart Martin. Dies sei nicht in allen Fällen gelungen, wie die zahlreichen Beschwerden zeigten, die sich an die Stadtverwaltung oder direkt an Tesa wenden.

Hoffen auf Verständnis

„Wir haben Verständnis für unsere Nachbarn. Aber wir müssen sie noch um etwas Geduld bitten, weil es einfach nicht anders geht.“
Die Arbeiten seien auch extra in den Winter gelegt worden, wenn die Fenster eher geschlossen als offen sind. „Die Lautstärke ist auch sehr von der Windrichtung und der Wetterlage abhängig.“
Das kann Hans Schwarz bestätigen, der etwas nördlich direkt an der Niendorfer Straße wohnt. Ihn nerve mehr der Flug- und Verkehrslärm vor seiner Haustür, sagt Schwarz. Wenn er allerdings auf der Dorfstraße oder am Schwarzen Weg spazieren gehe, höre er auch dieses unangenehme, monotone „Bumsgeräusch“ aus der Entfernung. Rüdiger Sauerland sehnt den Tag herbei, wenn es endlich vorbei ist und hofft, dass sein Haus keinen Schaden nimmt. Rechtsansprüche gegenüber dem Bauunternehmen behält er sich allerdings ausdrücklich vor.

Hotline geschaltet

Die Anwohnerbeschwerden haben den Klebemittelhersteller zum Umdenken bewegt. So würden die hydraulischen Rammen durch Diesel betriebene ersetzt, die nicht so durchdringend seien, kündigt der Tesa-Sprecher an. Zudem würde geprüft, ob im letzten Bauabschnitt nicht ganz auf das Rammen verzichtet werden könne. „Ob das die Statik des Gebäudes gefährdet, prüfen wir aber noch.“ In einem aktuellen Brief an alle Anwohner in Norderstedt und Langenhorn erklärt Tesa zudem die Baumaßnahmen und bittet die Anwohner, sich bei Fragen und Beschwerden direkt an den Nachbarschaftsbeauftragten zu wenden, den das Unternehmen nun eingesetzt hat. Diese Aufgabe hat Architekt Gerhard von Wyszecki übernommen. Auf Wunsch arrangiere er auch Baustellenbesichtigungen. Martin: „Wir bedauern die Unannehmlichkeiten, die durch die Bautätigkeit entstehen, ausdrücklich.“ (bf)

Kontakt: Tel.: 0172/ 540 57 41, (montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr) oder E-Mail an: nachbarschaft@tesa.com
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2 Kommentare
7
Manfred Wilke aus Garstedt | 19.02.2013 | 12:22  
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Manfred Wilke aus Garstedt | 19.02.2013 | 12:22  
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