Haslohs Neue Mitte

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Wolfgang Jendretzky (CDU): Solche Absprachen im kleinen Kreis sind üblich in Hasloh. Foto: Fuchs
 
Norbert Schadendorf ärgert sich, dass ein kleiner Kreis in der Gemeinde von politischen Beschlüssen abgewichen ist. Er legte den Vorsitz im Bauausschuss sofort nieder. Foto: Fuchs

Gemeinde gibt Nachlass für Zufahrtswege - 63.000 Verlust

Von Burkhard Fuchs
Hasloh. Es ist das Prestige-Projekt für die Dorfentwicklung in Hasloh. Aber irgendwie scheint der Wurm drin zu sein bei der Planung der Neuen Mitte in der 3400 Einwohner zählenden Gemeinde.
Erst hakte es jahrelang mit der Kirchengemeinde, die hier zwischen Bahnhof, Schule und Mittelweg eine neue Kirche und eine Anlage für Altenbetreutes Wohnen bauen will. Dann musste der TuS Hasloh um seine Zukunft bangen, weil ein Sportplatz dem Kindergarten weichen und der Spielbetrieb zu laut für die Senioren werden sollte. Und nun erhebt der Kommunalpolitiker Norbert Schadendorf schwere Vorwürfe gegen SPD und CDU, die beim Verkauf der 38 Baugrundstücke ohne Not auf 63.000 Euro verzichteten.
Aus Protest gegen diese Kungelpolitik ist Schadendorf aus der SPD-Fraktion ausgetreten und hat den Vorsitz des Bauausschusses niedergelegt.
Darum geht’s: Der Hasloher Gemeinderat hatte im vorigen Jahr beschlossen, die 38 Baugrundstücke auf der drei Hektar großen Fläche mitten im Dorf für 195 Euro je Quadratmeter anzubieten. Bis Anfang 2012 konnten sich die Interessenten melden. Es waren 140. Die ersten 50 wurden Ende Oktober in die Feuerwache eingeladen, wo sie ihr Kaufinteresse bestätigen sollten. Zwei weitere dieser Verkaufsveranstaltungen folgten im November.
Kurz vor Beginn der ersten kam es zu einem Gespräch zwischen Wolfgang Jendretzky, CDU, sowie Gunnar Schacht und Jürgen Hofmann, beide SPD. Man könne doch nicht die Zufahrtswege für die fünf „Pfeifengrundstücke“, die auf Kosten der Bewohner eigene Stichstraßen brauchen, zum selben Preis verkaufen, sagte Hofmann. Bei der Beratung, was stattdessen angemessen wäre für diese Zuwege, einigte sich das Trio aus den beiden Fraktionschefs und des dritten Bürgermeisters kurzerhand auf 50 Euro.
Dieser verminderte Kaufpreis für die fünf Zufahrtsstraßen wurde dann kurz darauf von Jendretzky öffentlich gemacht, der die Sitzung leitete, weil Bürgermeister Bernhard Brummund selber als Kaufinteressent auftrat.
„Zum Glück nicht für eines der fünf Pfeifengrundstücke.“ Bei 440 Quadratmetern, für die die Gemeinde somit auf 145 Euro je Quadratmeter verzichte, sei dies ein Gesamtverlust von 63.000 Euro für Hasloh, rechnete Schadendorf aus. Dieses Vorgehen widerspreche den Abmachungen im Arbeitskreis Dorfentwicklung. Zudem war es auch nicht vom Gemeinderat legitimiert. Bei einer mehr als dreifachen Überzeichnung der Grundstücke sei dieser Spottpreis auch nicht als verkaufsfördernde Maßnahme nötig gewesen, so Schadendorf. Tatsächlich sind jetzt 34 Grundstücke zwischen 500 und 1000 Quadratmetern vergeben. Jendretzky sagt, solche interfraktionellen Absprachen im kleinen Kreis seien üblich in Hasloh. „Der Dorfentwicklungsarbeitskreis hat keinerlei Entscheidungsbefugnis“, betont Jendretzky. Der Finanzausschuss hat denn auch die 50-Euro-Regelung Mitte November im Nachhinein abgesegnet. Am Montag, 17. Dezember, muss der Gemeinderat darüber befinden. Wie sich da die CDU dazu verhält, sei unklar, sagt Parteichefin Dagmar Steiner. „Wir haben darüber noch keine Aussprache gehabt.“
Anders bei der SPD. Die Sozialdemokraten fürchten einen erheblichen Imageschaden und sogar Schadensersatzansprüche, wenn jetzt doch die Zufahrtswege zum vollen Preis verkauft werden sollten, argumentiert Fraktionschef Schacht. Dabei sind erst zwei der fünf Pfeifengrundstücke verkauft.
Bürgermeister Brummund bedauert, wie dies gelaufen sei. „Der Gemeinderat hatte 195 Euro beschlossen und dies nicht näher differenziert.“ Möglicherweise sei das ein Fehler gewesen. „Dass Norbert Schadendorf daraus die persönliche Konsequenz gezogen hat, zurückzutreten, bedauere ich sehr. Wir haben immer konstruktiv zusammengearbeitet.“ (bf)
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