Henstedt-Ulzburg gegen neue Stromtrasse

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Die Initiative will sich gegen den Bau der Stromtrasse durch die Pinanuwiesen wehren Foto: Fuchs

Ostküstenleitung nach Lübeck in der Kritik. Bürgermeister droht mit Klage

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt
Der Widerstand gegen die geplante Ostküstenleitung der neuen 380.000-Volt-Stromtrasse formiert sich in Henstedt-Ulzburg. „Notfalls werden wir dagegen klagen“, kündigte jetzt Bürgermeister Stefan Bauer an, unter dessen Führung sich 23 Grundstückseigentümer zusammengetan haben, die vom Bau dieser zum großen Teil unterirdisch verlaufenden Stromtrasse betroffen sein werden, die den Windstrom von der Ostsee schneller in die Industriezentren im Süden leiten soll als die bisherigen 220.000-Volt-Verbindungen.

Anwohner-Interessen ignoriert

Die 380-KV-Leitung, die bis nach Lübeck reichen soll, wird den Strom in das große Umspannwerk in Friedrichsgabe in Norderstedt ins Netz einspeisen, von wo aus ganz Hamburg mit Strom versorgt wird. In Norderstedt laufen zudem die Stromtrassen aus Stade sowie aus Schacht-Audorf ein, die die der Netzbetreiber Tennet ebenfalls gerade auf 380 KV aufrüstet. Noch läuft das Planfeststellungsverfahren für den Bau der Ostküstenleitung. „Die technischen Prüfungen sind für Henstedt- Ulzburg und Kisdorferwohld zu 80 Prozent abgeschlossen“, teilt Tennet mit. Doch die Gemeinde erwarte darin nicht, dass ihre Interessen und die der Nachbarn berücksichtigt werden. Zu sehr habe sich Umweltminister Robert Habeck für dieses Projekt stark gemacht, der vor einem Jahr die direkte Überquerung der Stromleitungen eines Waldkindergartens bei seinem Besuch in Henstedt-Ulzburg als hinnehmbar verteidigte. „Es ist nicht davon auszugehen, dass unseren Einsprüchen gefolgt wird, denn zuständig ist das Ministerium und damit der Auftraggeber“, argumentiert Bürgermeister Bauer. „Aber im nächsten Schritt muss Netzbetreiber Tennet vor einem neutralen Gericht Rede und Antwort stehen. Und da wird es dann sicherlich schwieriger mit einigen Antworten“, ist Bauer überzeugt.

Gemeinde sammelt Geld für Prozess

20.000 Euro habe die Gemeinde bereits für einen möglichen Rechtsstreit gesammelt, so der Verwaltungschef. Auch eine erfahrene Verwaltungsrechts-Juristin unterstütze die Interessen der Gemeinde. Unterstützung bekommt die Widerstandsfront in der Großgemeinde, der sich alle politischen Ratsfraktionen angeschlossen haben, auch von ihrem ehemaligen Bürgermeister und Landtagsabgeordneten Volker Dornquast. Er plädiert dafür, die Ostküstenleitung nicht quer über seine Heimatgemeinde, sondern entlang der Autobahn-20-Trasse und somit weiter nördlich bei Bad Bramstedt zu errichten. „Diese viel bessere Lösung ist bislang überhaupt nicht untersucht worden“, wundert sich Dornquast, der jetzt für die CDU im Landtag sitzt. „Das ist ein Rechtsfehler.“

Eigentum verliert an Wert

Und auch die betroffenen Anlieger wehren sich gegen den Bau der neuen Höchstspannungsleitungen vor ihrer Haustür. „Unser Grund und Boden verliert dadurch sehr viel an Wert“ glaubt Anneliese Pruns. Und Dirk Rohlfing kritisiert den enormen Eingriff in die Natur. So sollen 280.000 Tonnen Erde bewegt und 1400 Meter Knicks verschwinden, um die Stromleitungen direkt an den Pinnauwiesen unter die Erde zu bringen. „Das ist doch totaler Wahnsinn, der da gemacht wird“, ärgert sich Rohlfing.
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