Im Garten zu sich selbst finden

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Gartentherapeutin Judith Mischke (l.) hilft ihrer Klientin beim Ordnen ihres Beetes
 
Judith Mischke bietet Coaching im Grünen an Fotos: blu

Ordnung schaffen, säen, ernten: So finden Klienten im Norderstedter Coaching-Garten zu sich

Von Claudia Blume
Norderstedt. Seit zehn Minuten wühlt sich Sandra Junghans (Name von der Redaktion geändert) durch ein von Unkraut überwuchertes Beet. Die Norderstedterin rückt ihm mit der Hacke zu Leibe und sortiert schonungslos Quecke und Gräser aus – schließlich sollen statt dessen ihre prächtige Erdbeerpflanzen wachsen. Judith Mischke beobachtet das geschäftige Tun ihrer Klientin mit Freude. Als Gartentherapeutin hilft sie in ihrem Coaching-Garten in Norderstedt neue Perspektiven für Problembewältigung und Wunscherfüllung zu entwickeln.
„In Deutschland ist Gartentherapie noch längst nicht so bekannt und verbreitet wie in Kanada, England und den Niederlanden“, sagt die 49-jährige Gärtnermeisterin aus Ellerau. „Jeder Mensch trägt die Lösung seines Problems bereits in sich. Gezielte Übungen und Arbeiten im Garten helfen, eigene Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren sowie seine Stärken zu stärken.“

Unterlagen sprießen wie Unkraut

Der Garten und die Natur dienen als Spiegel des Lebens. Für Sandra Junghans steht die schier unbezwingbare Unkrautwüste für das Chaos in ihrem Büro. Die 48-jährige Physiotherapeutin ist seit fünf Jahren selbständig, gönnt sich kaum private Auszeiten – und wenn, nur mit schlechtem Gewissen, weil wieder Arbeit liegen bleibt. Unterlagen stapeln sich auf ihrem Schreibtisch, wollen ausgewertet und abgelegt werden. Fast täglich kommen neue hinzu. So wie das Unkraut. Damit soll Schluss sein. Konsequent fliegen überflüssige Pflanzen in einen Eimer. Die Norderstedterin hält kurz inne – sie hat roten Mohn darunter entdeckt. „Diesen Schatz muss ich heben und an anderer Stelle eingraben“, stellt sie zufrieden fest und gönnt sich eine Auszeit. Die Parallele zu ihrem übervollen Schreibtisch zieht die Powerfrau selber. „Brauche ich wirklich alle Zettel und Unterlagen? Die wichtigen aufzuheben reicht in Zukunft.“

Kurse an der VHS

So wie sich das künftige Erdbeerbeet lichtet, soll es künftig auch im Büro aussehen. Belohnung inklusive. „Ich habe neue Energie und Klarheit gewonnen, werde geiziger mit meiner privaten Zeit sein und mich für absolvierte Aufgaben mit Kajak- und Radfahren belohnen“, lautet ihr Fazit. Judith Mischke freut sich über die Resultate ihres Coachings im Grünen, das sie auch über die Volkshochschule Norderstedt anbietet. „In meinem weitläufigen Garten ist immer etwas zu tun. Jeder Klient findet den passenden Raum und die entsprechende Aufgabe, die mit seinem
Anliegen einher geht“, versichert die Gartentherapeutin. Apfel- und Pflaumenbäume wollen ausgelichtet werden, um altes Holz loszuwerden und Platz für Neues zu schaffen; Himbeeren suchen Halt und müssen aufgebunden werden; junge Salatpflanzen dürfen gesetzt werden und symbolisieren einen Neuanfang. „Die Menschen sollen in und mit der Natur aufblühen. Sie dürfen Wünsche aussäen und Früchte ihrer Arbeit ernten“, erklärt Mischke. Sandra Junghans zieht die Handschuhe aus und fügt mit Blick auf das nun ordentliche Beet und in Gedanken an ihr Büro hinzu: „Ich werde aufpassen, dass mein Platz nicht wieder zuwuchert.“
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