Kleiner Traum vom Glück

Anzeige
Kleiner Traum vom Glück: Artur (38) und Monika (23) Foto: Walitzek

Hinz&Kunzt – Obdachlosigkeit hat viele Gesichter

NORDERSTEDT. Artur und Monika strahlen um die Wette. Die schwere Zeit, die hinter ihnen liegt, scheint vergessen. Die beiden haben die Chance auf einen Neuanfang ergriffen und gehen unbeirrt ihren Weg. „Alles ist wunderbar. Was wollen wir mehr?“
Mit der Hoffnung auf Arbeit und ein besseres Leben kam Artur (38) als gelernter Eisenbahnelektriker schon vor Jahren aus Polen.
Seine Hoffnung erfüllte sich nicht. Schon bald wurde die Straße sein Zuhause.
Bei der erst 23-jährigen Monika verlor der Partner die Arbeit. Die Beziehung brach auseinander, die Wohnung war weg. Monika wurde obdachlos. Die Mutter in Polen nahm Monikas Kinder (3 und 2 Jahre) vorübergehend bei sich auf. Dass Artur und Monika heute wieder eine Perspektive haben, verdanken sie dem Projekt Hinz&Kunzt, das obdachlosen Menschen Hilfe zur Selbsthilfe anbietet. Nach dem Vorbild der Londoner Straßenzeitung „Big Issue“ wurde Hinz&Kunzt 1993 vom damaligen Leiter des Diakonischen Werkes ins Leben gerufen. Er wollte „der Obdachlosigkeit ein Gesicht“ verleihen! Menschen, die an ihrem Schicksal gescheitert sind, die Hand reichen.
Den Rand der Gesellschaft, den wir so gerne aus den Augen verlieren, wieder in unser Blickfeld rücken.
Schon längst gehören die Hinz&Kunzt-Verkäufer vor
U-Bahn-Eingängen, Supermärkten und Einkaufspassagen zum alltäglichen Bild. Freundlich, unaufdringlich und stets zu einer kleinen Handreichung bereit, bieten sie das Straßenmagazin zum Verkauf an.
Einen Euro verdient der Verkäufer an jedem verkauften Exemplar. Der Kunde erhält für sein Geld ein gut gemachtes Magazin mit viel Lokalem, Sozialem und Kultur.
Für den Einstieg als Hinz&Kunzt-Verkäufer ist die Obdach- oder Wohnungslosigkeit zwingende Voraussetzung. Doch natürlich sollen die Hinz&Kunzt-Verkäufer nicht weiter obdachlos bleiben. Neben der Herausgabe des Straßenmagazins leisten die Projektmitarbeiter vor allem Sozial- und Lobbyarbeit, helfen bei der Wohnungssuche und schenken den Obdachlosen bei all ihren Sorgen und Nöten ein offenes Ohr. Für Monika wurde Isabel Kohler zum rettenden Engel.
„Sie macht alles für mich“, erzählt sie dankbar. Die Hinz&Kunzt-Sozialarbeiterin stellte Anträge, half bei der Wohnungssuche und verhandelte mit dem Jugendamt, damit Monika ihre Kinder wieder bei sich aufnehmen konnte. Seit einem Jahr sind Artur und Monika ein Paar, glücklich und voller Hoffnung.
Die Zeiten der Obdachlosigkeit sind vorbei. Die kleine Familie hat in Norderstedt Wohnung und Heimat gefunden. „Hier ist es hundert Prozent besser als in Hamburg. Wir haben hier viel Hilfe gekriegt“, strahlt Monika. An ihren Verkaufsplätzen in Garstedt sieht man die beiden nur noch selten. Monika hat in Norderstedt einen Ausbildungsplatz zur Verkäuferin gefunden. Damit hat sich für sie einen Traum erfüllt, den sie so oft träumte, wenn sie als Hinz&Kunzt-Verkäuferin von außen das Geschehen im Laden beobachtete. Eine größere Wohnung für die vierköpfige Familie würde das Glück perfekt machen.
Wer dabei helfen kann, wende sich an den Sozialdienst von Hinz&Kunzt unter
Tel.: 32108410 oder isabel.kohler@hinzundkunzt.de. (wal)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige