Kurze himmlische Ruh‘

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Hans Schwarz genießt die ungewohnte Ruhe über seinem Haus in Garstedt. Foto: Fuchs

Flughafen: Start- und Landebahnsanierung vorzeitig beendet

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt/Hasloh/Quickborn. „So lässt es sich aushalten“, strahlte Hans Schwarz. Seit 45 Jahren wohnt der 78 Jahre alte Norderstedter mit seiner Frau an der Niendorfer Straße, direkt in der Einflugschneise zum Hamburger Flughafen. Normalerweise sorge das für ohrenbetäubenden Lärm von früh bis spät, sagt der Sprecher der Norderstedter Interessengemeinschaft für Fluglärmschutz (NIG). Doch knapp zwei Wochen herrscht absolute Ruhe über Norderstedts Himmel. Von den sonst täglich fast 200 startenden und landenden Flugzeugen war nichts zu sehen, geschweige zu hören. Denn die Start- und Landebahn in nördlicher Richtung wurde saniert. Norderstedt, Hasloh und Quickborn waren für zwei Wochen plötzlich flugfreie Zone.

Temporär flugfreie Zone
Das sei sehr angenehm, erzählte Schwarz. So brauchten er und seine Frau sich nicht mehr auf der Terrasse anzuschreien, um sich zu verständigen. Er konnte ohne Ohrenschutz nach draußen gehen, nachts sogar bei offenem Fenster schlafen, das Haus bei der Wärme kräftig durchlüften. Das sei sonst unmöglich. „Von mir aus können die ruhig weiterarbeiten am Flughafen“, sagte Schwarz.
Auch Antje Bajus, 69, genoss die ungewohnte „himmlische Ruhe“. Die Rentnerin lebt mit ihrem Mann seit 30 Jahren in der Quickborner Kleiststraße, auch direkt in der Einflugschneise zum Hamburger Flughafen. „Das ist sonst unerträglich und im Laufe der Jahre immer schlimmer geworden“, sagt sie. Vor allem morgens zwischen 7.30 und 10 Uhr sowie ab 16 Uhr bis in den späten Abend sei es kaum auszuhalten. „Das ist die Hölle. Ich leide sehr unter dem Fluglärm. Ohne Ohrstöpsel kann ich das nicht ertragen“, sagt Antje Bajus. „Nur meinen Mann stört das nicht so. Der ist nämlich schwerhörig.“ Aber jetzt sei es „das richtige“ Quickborn. So wie sie sich das immer gewünscht habe - um in Ruhe leben zu können.
Doch diese Woche ist es schon wieder vorbei mit der Ruhe. Dann donnert wieder zwischen 6 und 23 Uhr durchschnittlich alle sechs Minuten ein Flieger über ihr Haus. „Wir wollen doch nur eine gerechtere Verteilung des Fluglärms“, sagte Antje Bajus. Dass die Menschen in Alsterdorf nur einen Bruchteil des Lärms der Norderstedter und Quickborner aushalten müssten, weil die dortige Bahn kaum benutzt wird, sei nicht nachzuvollziehen. „Ich finde es ist zumutbar für die Hamburger, auch ihr Päckchen vom Lärm zu tragen.“ (bf)
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