Milchtanke Norderstedt: Von der Kuh in die Flasche

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Hans-Werner Gobetz (r.) ist Stammkunde bei Sebastian Mecklenburg Foto: aj
Norderstedt: Rantzauer Forstweg 21 |

Mit dem Direktvertrieb erschließen sich Milchbauern neue Ertragsmöglichkeiten

Von Anja Junghans-Demtröder
Norderstedt
Der Landwirt Sebastian Mecklenburg trotzt der desaströsen Preisentwicklung am Milchmarkt. Eine Hofaufgabe kam für den Einzelkämpfer nicht in Frage. Ganz im Gegenteil. Mecklenburg schlug einen neuen Vermarktungsweg ein, um seine Milch gewinnbringend zu verkaufen. Norderstedt erhielt so seine erste Milchtankstelle, die er nach dem Selbstvermarktungsprinzip direkt auf seinem Hof betreibt.

Chance für Milchbauern

In dem Milchautomat sieht Mecklenburg eine wirtschaftliche Chance, den Kampf gegen die Milchkrise zu bestehen. „Die großenSupermarktketten diktieren die Milchpreise und lassen zum Leidwesen der Produzenten keinen Verhandlungsspielraum“, sagt der Milchbauer, der bereits im Alter von 20 Jahren den Hof seines Vaters übernahm. Die Milchtankstelle veräußert Rohmilch direkt an den Verbraucher und ist rund um die Uhr für Selbstbediener geöffnet. Die Kunden können Milchflaschen aus Glas vor Ort beziehen oder ihre eigenen Gefäße mitbringen. Nach dem Münzeinwurf können sie mit dem Abzapfen der Milch beginnen. Das Prinzip wie zu Großmutters Zeiten schätzen sehr viele Kunden, weil sie genau wissen, wo die Milch herkommt. Denn die darf laut Gesetz nur im Erzeugerbetrieb verkauft werden. Der am Ende eines Tages übrig gebliebene Milchbestand wird an die Kälber verfüttert.

Positive Nachfrage

Von der Nachfrage ist der Landwirt positiv überrascht. Mecklenburg kann sogar schon auf erste Stammkunden zählen. Hans-Werner Gobetz ist über Facebook auf den „puren Kuhmilchgenuss“ aufmerksam geworden. „Ich kenne das noch aus meiner Kindheit. Man schmeckt die Melkfrische einfach heraus“, erzählt Gobetz, der die persönliche Zuneigung des Milchbauern zu seinen Tieren kennt. „Jedem seiner insgesamt 48 Kühe hat er einen eigenen Namen gegeben“, fügt er lächelnd hinzu.

Technik überwacht Qualität

Die Reinigung und Befüllung des 150 Litertanks obliegt dem Landwirt. „Sofort nach dem Melken kommt die Landmilch frisch in den Tank“, erläutert Mecklenburg und erklärt das technische System: „Über die Einhaltung der konstanten Milchtemperatur, die zwischen 4 und 6 Grad liegt, wacht ein Temperaturlaser sowie ein integriertes Thermostat. Alle 20 Minuten wird die Milch automatisch umgerührt. So wird die Absetzung von Milchrahm verhindert“. Die Anzahl der Milchbauern habe sich in den vergangenen zehn Jahren in Norderstedt stark vermindert.„Gegenwärtig existieren noch drei Berufskollegen“, sagt der Bauer. Wenn es mit den Verbrauchern weiterhin gut läuft, dann sieht der Landwirt gute Perspektiven für den Fortbestand seines Hofes am Rantzauer Forstweg 21.
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