Mit dem Lastfahrrad durch Deutschland

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Nathalie Niekisch und Marco Walter strampelten in 13 Tagen durch ganz Deutschland, um für das Lastfahrrad-Verleihsystem Werbung zu machen Foto: Fuchs
 
Marco Walter (v.l.) und Nathalie Niekisch überreichen Hans-Joachim Grote und Christine Haß einen Korb mit kulinarischen Spezialitäten aus Konstanz Foto: Fuchs

In 13 Tagen vom Bodensee nach Norderstedt. Das Lastfahrrad-Verleihsystem soll populärer werden

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt/Konstanz
Sie sahen etwas abgekämpft und erschöpft aus, als sie jetzt mit ihren Lastenrädern das Norderstedter Rathaus erreichten. In 13 Tagen waren Nathalie Niekisch und Marco Walter genau 1036 Kilometer auf ihren 2500 Euro teuren Lastenrädern von Konstanz am Bodensee bis nach Norderstedt gefahren. Nur mit ihrer Pedalkraft, ganz ohne elektrische Unterstützung. Bei Wind und Wetter hätten sie täglich 60 bis 110 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt, berichtet Walter.

Werbung für Transportrad-Initiative

Der Projektleiter wollte mit dieser ungewöhnlichen Aktion Werbung für die Transportrad-Initiative-Norderstedt-Konstanz (TINK) machen, die vom Bundesforschungsministerium finanziert, zwei Jahre lang jeweils 24 dieser Transportfahrräder zum Ausleihen in den beiden Städten zur Verfügung stellt. Und das im Sommer gestartete Projekt laufe gut an, berichtet Christine Haß vom Amt für Nachhaltiges Norderstedt. In den 14 Verleihstationen, die in der ganzen Stadt verteilt sind, würden im Durchschnitt monatlich 150-mal die Räder ausgeliehen. 324 Nutzer hätten sich bereits registrieren lassen, um für zwei Euro am Tag ein solches Rad zu benutzen, auf dem sich auch bequem der Wochenendeinkauf verstauen lasse.

Parkraumbewirtschaftung gefordert

In der mittelalterlichen Bodensee-Metropole Konstanz komme das Angebot noch besser an, erklärte Projektleiter Walter. Etwa 4.000 Ausleihungen mit 8.000 Stunden Nutzung seien in den ersten vier Monaten gezählt worden. „Das liegt aber auch daran, dass in Konstanz alle Parkplätze kostenpflichtig sind. Und davon gibt es so wenige, dass Autofahren dort weder Spaß noch Sinn macht.“ Darum rate er den Stadtvätern Norderstedts, auch hier eine Parkraumbewirtschaftung einzuführen, die aber die hiesige Politik gerade erst wieder mehrheitlich abgelehnt hat.

Projekt ausweiten

Auf der Strecke über Freudenstadt, Karlsruhe, Mannheim, Mainz, Wiesbaden, Marburg, Kassel, Göttingen, Hannover und Hamburg hätten sie überall mit den dortigen Politikern über die Einführung dieses Transportrad-Verleihsystems gesprochen und meist Zustimmung erhalten, berichtet Walter. Dass dieses Modellprojekt von Norderstedt und Konstanz auch in anderen Kommunen Schule macht, sei schließlich auch gewünscht. Immerhin investieren die beiden Pilotstädte jeweils etwa 50.000 Euro in das Projekt, das wissenschaftlich begleitet wird. 400.000 Euro steuert der Bund dafür bei. Für Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote hatten die Fahrrad-Enthusiasten Walter und Niekisch einen kleinen Picknickkorb mit badischen Spezialitäten dabei. Der Verwaltungschef revanchierte sich mit einem Glasteller und einem Akkugerät, falls die beiden mal keine Energie mehr haben sollten. „Durch den Schwarzwald und die Kasseler Berge zu fahren, war ganz schön anstrengend“, verriet Nathalie Niekisch, froh, dass es nach Konstanz zurück mit der Bahn gehen sollte.
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