Muss ein hanseatischer Immobilienkaufmann Gerichtsurteile respektieren ?

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Alle sind sich gegenwärtig mit der Kritik an Griechenland einig: korrupte Gesellschaft, alltäglicher Steuerbetrug, Schutz der Geschäftsinteressen der Reichen, komplexes und teures Rentensystem, fehlendes Rechtsempfinden für Leistung und Gegenleistung, Unfähigkeit zu Reformen (z.B. Einführung eines Katasterwesens).

Es ist für Alle leicht aus der Perspektive Deutschlands sich in dem Bewußtsein zu sonnen: All diese „griechischen Probleme“ gibt es bei uns in Deutschland nicht. Wirklich nicht ?

Dies sind die Fakten einer unbekannten „Wirklichkeit“ auch in Deutschland:
Die Firma Bruhns GvPe GmbH und Co. KG hat für Wohnungen aus dem eigenen Immobilienbestand in der Vergangenheit Courtagezahlungen verlangt und bezahlt bekommen. Nach einem Gerichtsentscheid in Hamburg steht seit einiger Zeit unmißverständlich fest, dass diese Courtagezahlungen unrechtmäßig erfolgten. Es kann für „die Vermittlung von Wohnungen aus eigenem Bestand keine Maklercourtage verlangt“ werden.

Von einem „hanseatischen Kaufmann“ erwarten Sie jetzt, entweder die Auszahlung der Courtagezahlungen an alle betroffenen Mieter oder aber zumindest nach Aufforderung durch den einzelnen Mieter. Ein verantwortungsbewußter „Vollkaufmann“ und Mitglied des reichen Teils der Gesellschaft verhält sich in Deutschland so, dass er die rechtlichen Verpflichtungen anerkennt und bedient, und zwar sowohl hinsichtlich des Finanzamtes und auch hinsichtlich der Mieter. So wollen wir alle unsere Gesellschaft sehen: gesprochenes Recht wird beachtet und respektiert.

Alles andere passiert nur in Griechenland und wird mitleidig verspottet.

Die Wirklichkeit in Deutschland sieht leider brutal anders aus. Der geschäftsführende Gesellschafter, - Herr Bruhns-, sieht sich weiterhin im Recht und verweist auf allgemeine Kosten sowie Freiwilligkeit der Vertragsabschlüsse und Zahlungen. Dies geht alles nach dem Motto: Wenn mir die Wirklichkeit oder die Entscheidungen des Gerichtes nicht gefallen, dann baue ich mir meine eigene Wirklichkeit und richte es mir ganz gemütlich darin ein.

Die Firma Bruhns GvPe GmbH und Co. KG verweigert sich allen Rückforderungen und beschäftigt damit Rechtsanwälte und Gerichte mit Verfahren, die eigentlich längst entschieden und unnötig sind. Es gibt offensichtlich keine Möglichkeit für die Politik, die Gesellschaft oder die Justiz dem verantwortungslosen Handeln dieses „hanseatischen Vollkaufmanns“ Einhalt zu gebieten.
Jeder Mieter muss seine Ansprüche alleine und individuell gegenüber dem Vermieter rechtlich vor Gericht durchsetzen.

Vielleicht sollten wir neben der Kritik an Griechenland die Verfassung unserer Gesellschaft in Deutschland realistischer sehen und „Reformen“ ergreifen:
• korrupte Gesellschaft: fehlende Einhaltung von rechtlichen Auflagen im Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter
• alltäglicher Steuerbetrug: wenn Vermieter über fantasievolle Konstruktionen (z.B. Firmengründungen) versuchen an unberechtigte Courtagezahlungen zu gelangen, dann mag man sich nicht vorstellen, mit welcher Fantasie Steuerzahlungen umgangen werden
• Schutz der Geschäftsinteressen der Reichen: Stärkung der Rechte der Mieter als Gemeinschaft gegenüber den Vermietern (Warum muss jeder Mieter alleine vor Gericht ziehen?)
• fehlendes Rechtsempfinden für Leistung und Gegenleistung: Was hat die Firma Bruhns GvPe GmbH und Co. KG geleistet, um daraus „Zahlungsansprüche“ abzuleiten? Wieso wird das bestehende Gerichtsurteil seitens Herrn Bruhns nicht respektiert und entsprechend umgesetzt ?
• Unfähigkeit zu Reformen: Warum wird die Justiz nicht vor den „Rechtsverweigerern“ geschützt, die unberechtigt neue juristische Verfahren einleiten? Wieso kann die Justiz nicht ein „Strafgeld“ verhängen, wenn ein zweites Urteil zu einem bereits entschiedenen Straftatbestand gefällt werden musste?

Meine private Situation heute ist sehr entspannt. Nach der Trennung und Scheidung habe ich anderthalb Jahre lang als Mieter eine Wohnung der Firma Bruhns GvPe GmbH und Co. KG genutzt. Heute bin ich neu verheiratet und wir leben glücklich in einem sehr schönen Einfamilienhaus mit herrlichem Garten. Die Finanzierung wird in den nächsten fünf Jahren getilgt sein.
Gerade weil es mir so gut geht, schäme ich mich für das verantwortungslose Verhalten des „reichen Teils der Gesellschaft“, welches ohne ein natürliches Rechtsempfinden nur auf den eigenen Vorteil fokussiert ist.
Unsere Gesellschaft erleidet Schaden angesichts dieses Verhaltens und die Reparatur wird teurer, als manche es sich vorstellen können. Wir müssen uns alle wehren gegen Menschen in unserer Gesellschaft die sich dem Recht verweigern, denn ansonsten haben wir schnell „griechische Verhältnisse“ in unserem Land.
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 15.07.2015 | 10:27  
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