Neue Heimat in bunten Bildern

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Dorit Kock (re.) gibt Mobina (10) Tipps für erste Skizzen Foto: blu

Im Rathaus Norderstedt zeigt eine Ausstellung die Bilder des Malworkshops für Flüchtlinge

Norderstedt „Beim Malen bin ich glücklich“, sagt Roula auf Englisch. Vor einem Jahr kam die Syrerin mit ihren drei Kindern aus der umkämpften Stadt Aleppo nach Norderstedt, auf gefährlicher Route mit Schlepperbooten übers Mittelmeer. Gemalt hat die 44-jährige Architektin und Bau-Ingenieurin schon immer, doch nun werden ihre Bilder erstmals ausgestellt – im Norderstedter Rathaus. Bis 4. Oktober sind im Vorraum der Galerie Arbeiten eines Mal-Workshops für Asylbewerber zu sehen, der im Herbst 2014 auf Initiative des Willkommen-Teams in Zusammenarbeit mit dem Malimu Kulturverein und mit Unterstützung des städtischen Kulturbüros eingerichtet wurde. Die Teilnehmer treffen sich jeden Montag um 17 Uhr im Gemeindehaus der Freien Evangelischen Gemeinde am Falkenberg, um unter fachkundiger Anleitung Fähigkeiten zu entwickeln oder auszubauen. Während die zehnjährige Mobina aus Afghanistan Hilfestellung beim Vorzeichnen auf der Leinwand erhält, braucht Mahdi keine Unterstützung. Der 45-jährige Sudanese ist ein begnadetes Mal-Genie. Jeden Monat schafft er zwei neue Bilder mit Motiven aus seiner Heimat, vorzugsweise in Öl, aber auch in Acryl und Aquarell – Menschen, Tiere, Landschaften. „Anfangs saß er mit Mütze und dicker Jacke im Werkraum – wie zum Schutz seiner selbst“, erinnert sich Dorit Kock, die den Workshop zusammen mit Peter Burtzik leitet. Mit der Zeit ist der Künstler sehr viel aufgeschlossener geworden und auch freier mit den Farben, die er verwendet. „Es macht mich glücklich, Menschen auf dem Weg in ihre Selbständigkeit begleiten zu dürfen“, sagt Dorit Kock. Sie weiß, wie mühsam ein Neustart ist, schließlich lebte sie zehn Jahre im Ausland und zog dort mehrmals um. „Malen ist ein Insichgehen, das einen ganz bei sich sein lässt und Probleme vergessen macht – zumindest kurzfristig.“ Werya kam vor gut einem Jahr aus dem Iran. Vor ihm liegt das halb fertige Porträt eines jungen Mädchens. Seine Freundin, eine Bekannte? Seine blauen Augen lächeln nur. Als Inneneinrichter und Sportlehrer war der athletische 35-Jährige tätig. „Am liebsten möchte ich als Fitnesstrainer arbeiten“, sagt er in fast perfektem Deutsch. Bei der Norderstedter Tafel hilft er tatkräftig mit, assistiert beim Schwimmtraining der Wasserratten – und einmal in der Woche taucht er in die Welt der Formen und Farben ein und lässt die Betrachter seiner Bilder Teil seiner Gedanken werden. (blu)

Wer dem Malkursus Farben, Leinwände, Stifte oder Pinsel spenden möchte, kann sich unter Telefon 04193/80 72 08 melden
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