Norderstedt: Tagesklinik für Jugendliche

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Sie haben das neue Therapieangebot für Heranwachsende an der Tagesklinik ausgearbeitet: Chefarzt Nikolas Kahlke (l.), Diplompsychologin Alexandra Mohr und der ärztliche Leiter Clemens Heise Foto: Fuchs
Norderstedt: Beim Umspannwerk 6 |

Neues Behandlungsangebot für psychisch Erkrankte im Alter von 18 bis 25 Jahren

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt
Für psychisch erkrankte Heranwachsende gibt es jetzt in der Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Norderstedt ein neues Behandlungsangebot. Von sofort an werden Betroffene im Alter von 18 bis 25 Jahren, die unter Depressionen, Angst, Essstörungen, Suchtmittelmissbrauch, Perspektivlosigkeit oder Entwicklungsstörungen leiden, von 8 bis 16 Uhr in der Norderstedter Einrichtung des Landesvereins für Innere Mission gezielt therapiert.
Ein fünfköpfiges Team aus Psychologen, Ergo- und Musiktherapeuten kümmert sich um diese seelisch kranken Heranwachsenden, kündigt der Ärztliche Leiter Clemens Heise an.

Immer mehr Jugendliche betroffen

15 Plätze stünden für das landesweit erste Behandlungsangebot für diese Altersklasse zur Verfügung, das es so in dieser ambulanten Form nicht einmal in Hamburg gebe, betont die therapeutische Leiterin und Diplompsychologin Alexandra Mohr. Vorbild für diese Therapie sei ein Modellprojekt, das in der Psychiatrie in Stralsund seit zweieinhalb Jahren sehr erfolgreich laufe, erläutert Susanne Herschel, die Leiterin der Norderstedter Tagesklinik, die vor zwei Jahren als weitere Außenstelle neben der Tagesklinik von Kaltenkirchen vom Psychiatrischen Zentrum Rickling geschaffen wurde. „Wir haben festgestellt, dass die Zahl seelisch erkrankter Heranwachsender ständig steigt“, erläutert Chefarzt Nikolas Kahlke. Und die bisherigen Angebote der Kinder- und Erwachsenenpsychiatrie würden dieser Altersgruppe nicht mehr gerecht werden.

Leistungsdruck beginnt schon in der Kita

Diesen erkrankten jungen Menschen falle es extrem schwer, mit dem Erwachsenwerden klar zu kommen, erklärt Psychologin Mohr. Einige seien in Schule oder Ausbildung gescheitert, würden gemobbt oder litten an Zwangs- oder Suchtstörungen. Sie würden nun von dem Team der Tagesklinik gezielt in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt und in ihrem Verhalten stabilisiert. Dies gelinge durch einen ganzen Kanon an Einzel- und Gruppenmaßnahmen, sozialen Kompetenztrainings, Sport, Musik-, Gesprächs- und Ergotherapie. „Wir sprechen auch mit den Betroffenen über ihre Gefühle, versuchen sie selbstsicherer zu machen und kochen gemeinsam“, erzählt die Psychologin Mohr. Wie die ersten Wochen mit zurzeit neun Patienten zeigten, würde es einigen Heranwachsenden bereits helfen, dass ihnen überhaupt zugehört werde, berichtet Mohr. „Viele Kinder und Jugendliche stehen heute unter einem so hohen Leistungsdruck, dem sie einfach nicht mehr gewachsen sind.“ Das beginne zum Teil schon im Kindergarten. Und offenbar erhielten sie dabei keine Unterstützung ihrer Eltern, weil diese keine Zeit oder kein Verständnis für ihre Probleme hätten. (bf)

Nähere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 040/ 357719400 oder Tagesklinik Norderstedt
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